München 2-jähriger Bub verschwunden: Wo ist der kleine Tugra?

Illustration Foto: Gaulke/Polizei

MÜNCHEN - Der Bub verschwindet bei einer Hochzeitsfeier am Auer Mühlbach. Taucher und Spürhunde können den Kleinen nicht finden – die Eltern glauben an eine Entführung.

Und dann ist er weg. Ganz plötzlich ist der kleine Tugra Emiroglu verschwunden. Als hätte ein Loch im Boden den zweieinhalb Jahre alten Buben verschluckt. Oder waren es doch die Fluten des Auer Mühlbach, einem Nebenarm der Isar, der durch die Au fließt? Ist er hineingefallen und hat ihn die wilde Strömung einfach mitgerissen?

Seit Samstagnachmittag wird Tugra Emiroglu vermisst. Er war mit seiner Mutter Ebru (25) und seinem Vater Sedat (25) auf einer Hochzeitsfeier im Jugendzentrum Kegelhof in der Au. Dort gibt es einen Spielplatz, daneben fließt der Auer Mühlbach. Tugra und seine Familie leben in Giesing, im Kegelhof wollte sie mit 60 Gästen das „Hennafest“, den türkischen Polterabend, von Tugras Tante Esra feiern.

Um 16 Uhr steht der Bub noch in der Küche, schaut, wie Gäste Essen für die Feier vorbereiten. Die Eltern haben den Knirps herausgeputzt, er trägt einen schwarzen Anzug, mit weißem Hemd und Fliege. Er steht im Türrahmen, während um ihn herum fröhliche Gäste wirbeln. Es ist das letzte Bild, das den Eltern von ihrem Sohn in Erinnerung ist.

Dann ist er plötzlich weg. Eine halbe Stunde lang suchen die Eltern überall nach dem kleinen Tugra. Eine Anwohnerin am Kegelhof hat mitbekommen, wie am Samstag die Familie mit Entsetzen feststellen musste, dass ihr Kind einfach nicht mehr da ist. „Man hörte Schreie, die man niemals hören will, die einem im Bauch und Herzen weh tun.“

Um 16.30 beginnt die Großfahndung der Polizei. Die durchkämmt mit Spürhunden das Gelände, unterstützt von Wärmebildkameras und Hubschraubern, bis spät in die Nacht. Vom Tierpark Hellabrunn bis hin zum Wasserkraftwerk „Maxwerk“ an der Maximiliansbrücke wird der Pegel der Isarzuflüsse abgesenkt. Taucher durchwaten das Flussbett des Auer Mühlbach. Das Wasser reicht ihnen bis zum Knie. Mit Unterwassersonar werden die Wehre abgetastet. 70 Einsatzkräfte suchen auch am Sonntag fieberhaft die Au und den Auer Mühlbach ab. Bis zum Nachmittag finden sie keine Spur. Keinen Hinweis. Nichts.

Am Sonntag sitzen Tugras Verwandte wieder im Jugendzentrum Kegelhof. Niemand hat in der Nacht geschlafen. Viele Tränen haben die Augen rot gefärbt. Die Eltern Ebru und Sedat vergraben schluchzend die Köpfe zwischen den Armen. Tugra ist der einzige Sohn des jungen Ehepaars. Tugras Tante Esra sagt: „Ein Kind schreit, wenn es plötzlich ins Wasser fällt? Aber niemand hat ein Kind schreien gehört.“

Auch die Polizei erklärt: „Es ist nicht gesichert, dass der Bub tatsächlich ins Wasser gefallen ist.“ Der Auer Mühlbach ist am Spielplatz und dem Jugendzentrum Kegelhof umzäunt. Tugra hätte über den Metallzaun klettern müssen.

Tugras Opa Sarie glaubt: „Jemand hat ihn mitgenommen.“ Eine Entführung? „Wir haben keine Hinweise auf eine Straftat“, heißt es bei der Polizei. Sicher sei nur: „Die Zeit läuft gegen uns.“

Wer hat den kleinen Tugra Emiroglu gesehen? Der Bub hat dunkelblondes nackenlanges Haar, ist etwa einen Meter groß. Er trug einen schwarzen Kinder-Smoking. Hinweise an Tel. 2910-0.

Reinhard Keck

 

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