München 13. Februar 1970: Münchner Tage des Terrors

Eine Tafel erinnert an den 13. Februar 1970 Foto: John Schneider

MÜNCHEN - Wer von Terrorismus redet, denkt an Olympia 1972. Doch bereits am 13. Februar 1970 starben sieben Menschen beim Anschlag auf ein jüdisches Altersheim. Eine Überlebende berichtet

„Es stand alles in nullkommanix in Flammen.“ Ruth Steinführer erinnert sich an den Tag, als der Terror die jüdische Gemeinde in München erreichte. Die Mitarbeiterin der Kultusgemeinde überlebte den Brand-Anschlag am 13. Februar 1970 auf das jüdische Altersheim in der Reichenbachstraße nur knapp.

Bereits drei Tage zuvor hatten drei palästinensische Terroristen israelische Transit-Passagiere auf dem Flughafen München-Riem mit Handgranaten angegriffen. Sie wollten die Maschine entführen, Flugkapitän Uriel Cohen und Passagiere leisten Widerstand, der Entführungsversuch scheitert. Passagier Ari Katzenstein starb bei der Attacke. Um ihn wurde gemeinsam mit den sieben Toten der Reichenbachstraße getrauert.

Ruth Steinführer erinnert sich, dass nach diesem Anschlag ihre Kolleginnen nervöser wurden. „Da fing die Angst an.“ Aber mit einem konkreten Anschlag auf die Kultusgemeinde habe sie selbst nicht gerechnet. Die Reichenbachstraße war bis dahin ein ganz normales Münchner Haus gewesen: „Eine normale Haustür, jeder konnte rein und raus, es gab weder Wache noch Portier.“

Weil sie ihr „vorbestelltes Kohlepapier im Schreibwarengeschäft nebenan“ kaufte und sich dabei verratschte, war sie zum Zeitpunkt als der oder die Brandstifter aus einem Kanister Benzin ins Treppenhaus kippten und dann anzündeten, nicht in ihrem Büro im dritten Stock, so berichtet Ruth Steinführer in einem Interview des Hessischen Rundfunks.

Sie hätte im 3. Stock wohl keine Chance gehabt, denn der Brand wurde im Treppenhaus gelegt. „Erst sah ich den Rauch, dann die Flammen“, erinnert sich die Überlebende. Die Feuerwehr habe sie dann schnell „verjagt“. Von der Straße aus aber sah sie die verzweifelten Menschen, die sich aufs Dach gerettet hatten oder am Fenster standen. „Einer ist gesprungen“, erinnert sie sich. Es war Max Blum.

Ruth Steinführer kannte ihn und alle anderen Opfer. Als sie kurz vor dem Anschlag die Treppe runterkam, stand David Jakubowiez im 1. Stock zwischen seinen Koffern. „Ich habe ihm gesagt, ’Warum, fliegst du nicht schon heute?’. ’Nein, hat er gesagt, heute ist doch Sabbat.’“ Er wollte zwei Tage später zur Schwester nach Israel fliegen. Für immer Deutschland verlassen. Doch David Jakubowiez verbrannte.

Bis heute sind die Urheber des Anschlags unbekannt. Trotz des Kanisters, der am Tatort gefunden wird, muss man bei der Polizei bald erkennen, dass man im Nebel stochert. Bei den Vernehmungen durch die Polizei wird Ruth Steinführer unter anderem sogar ein Bild von Fritz Teufel gezeigt. Ein verschwundener Kanister in einer Wäscherei in der auch Araber arbeiteten, beschäftigt die Ermittler eine Weile. Aber auch diese Spur verläuft im Sande. Die Ermittlungen werden eingestellt.

Sieht Ruth Steinführer einen Zusammenhang zu dem Anschlag in Riem? „Nein. Aber es gibt immer Trittbrettfahrer.“ John Schneider

 

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