München 1200 Kriegs-Gegner in München: „Krieg ist mies“

In ganz Deutschland trafen sich die Friedens-Aktivisten zu den Ostermärschen Foto: dpa

MÜNCHEN - Friedensfans feiern 50 Jahre Ostermarsch: 1200 Ex-Hippies, Kriegs-Gegner und Neugierige treffen sich mit Regenbogenfahnen und Plakaten in der Innenstadt

 

Ein wenig erinnerte der Ostermarsch durch Haidhausen an ein fröhliches Get-Together der Alt-68er: Hunderte Demonstranten , darunter viele über Fünfzig, ziehen mit „Pace“-Flaggen in Regenbogenfarben vom Orleansplatz bis zum Gasteig. Manche halten Transparente hoch mit Parolen wie „Respect to all“ oder „Krieg ist mies - I love Peace“. Auch ein paar Jugendliche und Familien mit Kindern oder Hunden mischen sich unters Demo-Volk.

Vom Orleansplatz bis zur Rosenheimer Straße fährt vorneweg ein roter VW-Bus. Am Steuer sitzt ein Mann mit grauem Pferdeschwanz und Sonnenbrille. Über zwei Lautsprecher auf dem Dach ertönt mal Bob Marleys „Get Up, Stand Up“, mal wird ein Zitat von Mahatma Gandhi durchgesagt: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.“

Der Weg für die Demonstranten endete am Ostersamstag am Marienplatz, rund 1200 Fans sind dorthin gekommen, sagen die Veranstalter. Aber auch Touristen und Shoppingfreudige gesellten sich bei strahlendem Sonnenschein dazu. Die Polizei berichtet von 400 aktiven Teilnehmern. Sie waren dem Aufruf des Münchner Friedensbündnis zum Ostermarsch gefolgt. Motto: „Schluss mit Lügen und Krieg“. Zum 50. Mal jährten sich die Ostermärsche in Deutschland.

Ihre Wurzeln haben sie im Widerstand gegen das atomare Wettrüsten im Kalten Krieg. In München gingen die Friedensaktivisten zur Osterzeit erstmals 1961 auf die Straße, mit Anti-Atomwaffen- und Anti-Kriegs-Parolen.

Was die Demonstranten heuer fordern? Den Stopp der deutschen Rüstungsindustrie, die Abschaffung aller Atomwaffen und vor allem: Ein Ende der Kämpfe in Afghanistan, bei denen aktuell drei Bundeswehrsoldaten und sechs verbündete afghanische Soldaten getötet wurden.

Auch Gerdi Walleitner (53) und Reinhard Böttger (56) demonstrieren für den schnellen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. „Nein zum Krieg“ steht auf ihrem Transparent mit der Friedenstaube. Schon 1981 waren sie beim Ostermarsch in München dabei, erzählen sie. Damals engagierten sich beide für die Schwabinger Friedensinitiative.

„Dass deutsche Soldaten einmal in Kabul kämpfen würden, war früher undenkbar“, sagt die 53-Jährige, die besonders enttäuscht ist über den „Sinneswandel der Grünen“. Und ihr Mitstreiter Reinhard Böttger, der inzwischen die meiste Zeit im Jahr als Entwicklungsexperte in Honduras verbringt, stellt nüchtern fest: „In den 80ern war beim Ostermarsch in München deutlich mehr los. Vor allem die Jungen gehen scheinbar nicht mehr auf die Straße.“

Auf dem Marienplatz rufen Anhänger der Linken am Ostersamstag „Nein zur Nato“. DKP-Fans schwenken rote Fahnen. Und Marc Dorendorf und seine Münchner Combo spielen Anti-Kriegs-Songs von Jimi Hendrix. „Letztes Jahr hielt die kriegsführende Bundeswehr hier auf dem Marienplatz ein öffentliches Gelöbnis ab“, empört sich die Rednerin und Stadträtin Dagmar Henn (Die Linke). „Auch viele der heutigen Ostermarschierer dürften sich an den Protesten dagegen beteiligt haben.“

Franz Iberl, Sprecher vom Münchner Friedensbündnis, ist zufrieden. An einem Stand verkauft er Anstecker mit der Aufschrift „Atomkraft? Nein Danke“ und „Nie wieder Krieg“. Und eine Neuheit im Sortiment der Buttons von einst: „50 Jahre Ostermarsch“.

Anne Hund

 

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