Eine junge Landshuterin folgt einem Internetaufruf und sammelt in der Flutmulde vier Kilo Müll. Ein Spaziergang

Landshut - "Super, ganz toll!", sagt Lisa Kiesewetter mit einem ironischen Unterton. Eine Woche nachdem die 28-jährige Landshuterin die Flutmulde zwischen der Bahnhofsbrücke und der Eisenbahnbrücke von Unrat befreit hat, liegen schon wieder Plastikdeckel, Tüten und Co. herum.

Gefolgt ist sie einem Facebook-Aufruf des Umweltschutzunternehmens "Ozeankind". Dieses hat ein Düsseldorfer Pärchen vergangenes Jahr gegründet, nachdem sie im Urlaub auf den Malediven Unmengen an Plastikmüll gesehen haben, der vom Meer angespült worden ist. Die Gründer rufen regelmäßig zu Aufräumaktionen, sogenannten Clean Ups, auf.

Vergangenes Wochenende beteiligten sich daran Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Norwegen, Malaysia und Thailand. Ganze 876 Kilogramm Müll sind zusammengekommen. "Warum denn nicht? Einfach mal rausgehen und etwas tun", dachte sich die Landshuterin, als sie den Aufruf las. Sie schnappte sich einen Müllbeutel, Handschuhe und ihren Yorkshire Terrier Merle und machte sich auf den Weg zur Flutmulde. Diese liegt nur fünf Gehminuten von ihrer Wohnung entfernt.

Jeden Tag geht sie dort mit ihrem Hund spazieren. "Ich finde die Flutmulde wunderschön. Aber ich verstehe nicht, warum es hier nicht mehr Mülleimer gibt", sagt die 28-Jährige. Die Stadt wisse doch, dass sich dort der Bolzplatz befindet, dass sich dort Jugendliche treffen, Hundebesitzer Gassi gehen, Eltern mit ihren Kindern unterwegs sind.

Und wenn kein Mülleimer in Sichtweite ist, landet der Abfall schnell im Gebüsch. Hundekotbeutel, Verpackungen von Bonbons, leere Chipstüten, Zigarettenschachteln, Glasflaschen, Papiertaschentücher, sogar Kleidung hat die Landshuterin beim Müllsammeln gefunden. Vier Kilo in nur zwei Stunden.

"Ich hätte noch eine zweite Tüte gebraucht, so viel lag da rum", sagt Lisa Kiesewetter, die als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Krankenhaus arbeitet und nebenbei Pflegepädagogik studiert.

Sie verstehe nicht, warum die Leute ihren Müll nicht wegräumen können. Zumal er nicht nur für die Umwelt schädlich ist, sondern auch für Tiere. Ihr Hund Merle habe schon einmal im Gras eine Milchpackung mit verdorbener Milch gefunden und aufgeleckt, woraufhin er krank wurde.

Doch nicht nur die fehlenden Mülleimer seien das Problem, auch die Unachtsamkeit der Menschen, glaubt die 28-Jährige. "Wer nicht so sehr auf sich selbst achtet, dem ist auch oft die Umwelt egal."

Es mangelt an Aufklärung und Umweltbewusstsein

Es müsste grundsätzlich das Umweltbewusstsein der Menschen geschärft werden. Dafür fehle es aber noch an Aufklärung. "Die Kinder lernen von ihren Eltern und von ihrem Umfeld und irgendwann schalten sie, was richtig und falsch ist." Es müsste gesellschaftliche Norm werden, Müll nicht in die Umwelt zu werfen.

Dabei würden auch entsprechende Gesetze helfen. "Wenn Plastiktüten 25 Cent kosten, denkt man dreimal darüber nach, sie zu kaufen." Das sei ein guter Ansatz, findet die Landshuterin, aber man könne noch viel mehr machen. "Zum Beispiel denjenigen bestrafen, der Müll in die Umwelt wirft. Wildpinkler werden ja auch bestraft. Und mit dem Geld könnte man Vereine unterstützen, die sich für den Umweltschutz einsetzen", schlägt sie vor.

Lisa Kiesewetter versucht selbst, Müll zu sparen und auf Plastik zu verzichten. "Ich bin aber auch keine Göttin und schaffe es auch nicht immer. Ich bin auch nicht perfekt. Aber man sollte auf die Umwelt achten und Gutes tun, um sie so lange wie möglich zu erhalten", sagt sie.

Eine super Sache findet die Landshuterin die Unverpackt-Stationen in Bioläden oder Einweggeschirr aus Bambus, das sich selbst wieder abbaut. "Es bewegt sich was, aber es ist noch zu wenig", sagt sie.

Das Müllproblem werde auch nicht von heute auf morgen verschwinden. Es müssten mehr Leute mobilisiert werden, den Abfall zu entfernen. Das koste zunächst Überwindung. "Viele denken sich vielleicht, wieso soll ich etwas aufheben, was ein anderer weggeworfen hat. Aber der Müll liegt da und gehört da nicht hin. Bei sich zuhause würde man ihn ja auch aufheben - egal, wer ihn hingeworfen hat."

Durchweg positive Reaktionen und Lob bekam die 28-Jährige für ihre Müllsammelaktion auf Facebook. Während sie aber sammelte, schauten die meisten Passanten einfach weg. Nur eine Frau sei auf sie zugekommen und sagte, dass sie die Aktion gut finde.

Wenn Lisa Kiesewetter nun eine Woche nach ihrem Müllsammeln über die Wiese läuft und wieder Plastikdeckel und anderen Unrat findet, macht es sie traurig. Gleichzeitig kribbelt es in ihren Fingern, erneut Müll sammeln zu gehen. "Das war sicher nicht das einzige Mal." Bis dahin wünscht sich die Landshuterin, dass mehr Mülleimer aufgestellt werden und ihre Mitmenschen die Augen öffnen und bewusster mit unser aller Umwelt umgehen.

Weitere Infos zum Umweltschutzunternehmen "Ozeankind" und deren Clean Ups gibt es auf der Facebook-Seite www.facebook.com/ozeankind.