MPU-Hilfe und Ratgeber Führerschein futsch? - So läuft die MPU

Ratgeber-Autor Thomas Wagenpfeil am Reaktionstestgerät. Foto: V. Kemmer

Über die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), auch bekannt als „Depperltest“, herrscht viel Unklarheit. Wie läuft also eine MPU ab? Wie bereitet man sich gut vor? Die AZ-Redakteurin im Selbsttest.

 

München - Prost! Der Tüv gibt heute Bier und Wein aus. Aber keine Sorge, das Ganze unter Aufsicht und nur zur Aufklärung. Wie viele Gläser sind es bis zur MPU-kritischen Grenze von 1,6 Promille?

Nach zwei Bier in gut einer Stunde blase ich in das Alkoholmessgerät: 0,51 Promille. Gar nicht so viel. Trotzdem, ich fühle mich schon recht angeheitert. Die kritische Grenze von 1,6 Promille werde ich mir heute nicht mehr zumuten.

Aber was tun, wenn eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) ansteht? Thomas Wagenpfeil, Autor des Ratgebers „Der Testknacker bei Führerscheinverlust“, ist MPU-Experte: „Es kursiert viel Unsinn zum Thema. Im Kern geht es darum, dass sich Betroffene mit ihrem Fehlverhalten selbstkritisch auseinandersetzen. Wir möchten aufklären und zeigen, was Betroffene wirklich tun sollen.“

Wie kommt es zur MPU? Wagenpfeil: „Es gibt drei Hauptgründe: Sie haben mit mehr als 1,6 Promille eine Alkoholfahrt hingelegt, sind unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt worden oder haben zu viele Punkte in Flensburg angesammelt. Auch auf dem Fahrrad wird übringens eine MPU fällig, wer einen Wert jenseits der 1,6 Promille erreicht.“ So gibt es bundesweit knapp 100 000 Verfahren pro Jahr. Nur 57,5 Prozent der MPU-Teilnehmer kommen durch.

Die MPU besteht aus drei Teilen: Erst überprüft ein Testgerät die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit, dann wird die Fahrtauglichkeit von einem Verkehrsarzt getestet. Ist der MPU-Anlass eine Alkohol- oder Drogenfahrt, werden oft auch Blut- und Urinproben genommen.

Wagenpfeil: „Betroffene müssen sich mit ihrem Fehlverhalten ehrlich auseinandersetzen. Das Zauberwort heißt Veränderung. Nach einer Alkoholfahrt sollte man bereit sein, Trinkgewohnheiten kritisch zu beurteilen und anzupassen. Nur so kommt man durch.“

Will man seinen Führerschein wieder haben, muss der beim Kreisverwaltungsreferat neu beantragt werden. War eine MPU fällig, muss ein positives Gutachten einer anerkannten Begutachtungsstelle, wie etwa vom Tüv vorgelegt werden. Wagenpfeil: „Wichtig ist eine gute Vorbereitung und ein seriöse Beratung, je früher desto besser.“

Und teuer ist’s auch: Die MPU kostet zwischen 370 und 800 Euro, die Beratung etwa 700 bis 1000 Euro.

Die Polizeigewerkschaft fordert aktuell die Null-Promille- Grenze. Und ich? Fahre mit dem Bus nach Hause.

 

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