Motorsport DTM: Wo sind bloß die Typen?

Würden Sie diese drei Piloten auf der Straße erkennen? Das Podium des letzten DTM-Rennens: Audi-Mann Rockenfeller und die Mercedes-Stars Paffett und Vietoris. Foto: xpb.cc

Die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft fährt am Wochenende auf dem Norisring – doch vor dem wichtigsten Rennen des Jahres sorgen sich Legenden von einst: Wie schlimm ist es um die DTM bestellt?

 

Nürnberg - Kaum noch Stars, zu wenig Emotionen, seltsame Regeln: Längst ist im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) nicht mehr alles eitel Sonnenschein. Doch was läuft falsch in der Rennserie, in der einst Fahrer wie Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig, Christian Danner oder Bernd Schneider lange vor Schumi für einen Boom im deutschen Motorsport sorgten?

Ausgerechnet vor dem Rennen des Jahres am Sonntag (13.30 Uhr/live in der ARD) auf dem Nürnberger Norisring, eine Art Monaco für die DTM, stellen sich Fans und einstige Rennsportgrößen die Frage: Wie schlimm ist es um die DTM bestellt? Hat diese Serie im Schatten der Formel 1 überhaupt eine Zukunft?

„Ich gehöre nicht zu denen, die ständig sagen, dass früher alles besser war. Was heute aber völlig falsch läuft: Die Fans identifizieren sich nicht mehr mit den Fahrern. Wie denn auch, wenn man keinen mehr kennt”, sagt nun Danner, der in den glorreichen DTM-Zeiten selbst zu den Publikumslieblingen zählte, zur AZ. Dabei ist die DTM stolz auf ihre Fannähe, die Fahrerlager etwa sind – anders als in der Formel 1 – offen. Danner will seine Kritik nicht verstanden wissen als Angriff auf die fahrerische Klasse der heutigen Piloten: „Das sind die besten Nachwuchsfahrer Europas, doch der Bekanntheitsgrad ist gleich null”, sagt Danner. Bei Fahrern wie Filipe Albuquerque (Audi), Andy Priaulx (BMW) oder Daniel Juncadella (Mercedes) haben selbst die treuesten Fans Probleme – nicht nur mit der Aussprache. Und auch Martin Tomczyk und Bruno Spengler, die Gesamtsieger der letzten beiden Jahre, haben außerhalb der Boxengasse kaum einen Popularitätsschub bekommen.

Ähnlich wie Danner sieht es Tourenwagen-König Klaus Ludwig. „Es könnten ruhig ein paar deutsche Fahrer mehr dabei sein. Schließlich heißt es ja Deutsches Tourenwagen Masters”, sagt der dreimalige Champion der AZ. Aber gut, die DTM wolle halt international sein, fügt der 63-Jährige hinzu. Die Aerodynamik der Autos spiele in der heutigen DTM eine zu große Rolle. „Das darf nicht der ausschlaggebende Faktor sein. Denn die DTM ist nicht die Formel 1”, sagt Ludwig.

Und selbst Ralf Schumacher, nach seiner Formel-1-Karriere bis letztes Jahr für Mercedes in der DTM unterwegs, sagte kürzlich: „Das Produkt ist gut, aber man muss es noch besser an den Mann bringen. Sport lebt von Stars, von Leuten mit Charakter, die extrem nett sind oder was Blödes machen, Typen halt. Da fehlt ein bisschen Charisma. Dieser Boulevard-Anteil, über den ich mich in der Formel 1 beschwert habe, fehlt der DTM. Eine deutsche Serie braucht einen deutschen Helden oder zumindest einen, der deutsch spricht.”

Für Danner sind die Probleme der DTM hausgemacht. „Der Fan will ein geiles Rennen sehen. Den DTM-Leuten ist es gelungen, die Fans mit einem Gewirr von ständig neuen Vorschriften und Regeln zu verunsichern”, sagt der heutige Formel-1-Experte bei RTL. Im Klartext: „Zwei Boxenstopps, DRS-Phasen, komplizierte Zeitstrafen und dann auch noch Options-Reifen – das braucht kein Mensch.” Danners Appell: „Vereinfacht die Serie!” Und dann kommt der wehmütige Blick zurück: „Wir sind damals losgefahren, sind uns gegenseitig in die Kiste gerauscht und am Ende hat immer einer gewonnen. Das ist Tourenwagensport. Das wollen die Fans sehen.”
Vor allem brauche die DTM wieder Emotionen. Doch da hat Danner Zweifel, ob das den drei Premium-Herstellern Audi, BMW, Mercedes gelingt. „Damals hatten wir Mercedes für die Verwöhnten, Opel fürs Volk und Alfa Romeo für die mit einem roten Herzen. Da haben die Fans noch so richtig mitgefiebert", sagt Danner – der damals für die mit dem roten Herzen Siege und Sympathien einfuhr. 

 

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