Mordopfer von Dachau Staatsanwalt beigesetzt: "Tilman ist ein Seliger"

Abschied von Tilman Turck: Hunderte Verwandte und Freunde erweisen dem Mordopfer von Dachau auf dem Münchner Nordfriedhof die letzte Ehre. Foto: dapd

500 Menschen – darunter zahlreiche Richter, Staatsanwälte und Polizisten – nehmen in der Pfarrkirche St. Sylvester Abschied vom getöteten Juristen. Er wird auf dem Nordfriedhof beigesetzt

 

München - Die kleine Pfarrkirche St.Sylvester mitten im Herzen von Schwabing vermochte die vielen Trauergäste kaum aufzunehmen. Familie, Freunde Kollegen erwiesen Tilman Turck am Donnerstag die letzte Ehre. Der 35-jährige Staatsanwalt war vor einer Woche im Amtsgericht von Dachau von einem Fuhrunternehmer während der Verhandlung erschossen worden.

„Ein feiger, böser Mensch hat Tilman erschossen“, sagt Pater Georg-Maria Roers, ein enger Freund der Familie. Mit Tränen in den Augen lauschen die Eltern des ermordeten Staatsanwalts und deren Schwiegertochter Gretchen den Worten des Jesuitenpaters.

Der Trauergottesdienst wird zweisprachig in deutsch und englisch gehalten. Die Frau von Tilman Turck ist Amerikanerin, Freunde und Verwandte sind für die Beerdigung extra aus den Vereinigten Staaten angereist. „Tilman war kein kaltherziger Karrierist, sondern ein Mensch, der gut zuhören konnte, eine wichtige Gabe für einen Anwalt“, sagt Pater Roers. „Menschlichkeit und Gerechtigkeit haben ihm immer sehr viel bedeutet.“

Mit gesenktem Blick lauscht Richter Lukas Neubeck den Worten des Jesuitenpaters. Ihm galten eigentlich die tödlichen Schüsse im Amtsgericht von Dachau. Doch Neubeck konnte in Deckung gehen. Der Todesschütze richtete daraufhin die Waffe auf den Staatsanwalt, den er nie zu zuvor gesehen hatte und drückte ab.

„Tilman ist ein Seliger im Sinne des Evangeliums“, betont Georg-Maria Roers. Er werde mit seine Eltern und seiner Frau auf immer verbunden bleiben.

Auf dem Nordfriedhof fand der 31-jährige Vorzeigejurist seine letzte Ruhestätte. Zahlreiche Staatsanwälte, Richter, Polizisten und sogar Bayerns Justizministerin Beate Merk und Generalstaatsanwalt Christoph Strötz erwiesen ihm die letzte Ehre. Rund 500 Trauergäste begleiteten die Familie des ermordeten Staatsanwalts bei ihrem schweren Gang bis an das offene Grab.

Am Montag ist in der Münchner Kirche St. Michael eine öffentliche Trauerfeier geplant. Ministerpräsident Horst Seehofer ordnete deshalb Trauerbeflaggung an allen staatlichen Gebäuden Bayerns an.

 

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