"Monsoon" in der Bruderstraße Gute Absichten im Lehel

Kräuter zupfen, rollen, ratschen, essen: Bei vietnamesischem Essen ist das gesellige Miteinander wichtig. Foto: Daniel von Loeper

 Mit dem „Monsoon“ hat in dem Viertel das erste vietnamesische Restaurant eröffnet. Jetzt wachsen Maiblumen an den Wänden des ehemaligen „Cube“

 Quynh Doan zündet Räucherstäbchen an, stellt Buddha Obst zu seinen Füßen. Eine Einweihungszeremonie, mit der sie ihre guten Absichten erklärt – jetzt ist das Restaurant in der Bruderstraße, vormals das „Cube“, bereit, in Betrieb genommen zu werden. Ihr war es wichtig, dass ihr neues Restaurant, das „Monsoon“ im Lehel, eine vietnamesische Seele hat, wie sie sagt: „Ich bin sehr traditionell erzogen worden, wir stammen aus der Kaiserstadt, von einer Fürstenfamilie.“

Das heißt, dass sie als Frau zum einen schon früh in der Küche half und sich zum anderen durch ein BWL-Studium kämpfte, obwohl sie währenddessen ihre Mutter verlor. „Ich wollte nie aufgeben“, sagt Doan, „und mich weiterentwickeln, Stillstand ist nicht meins.“

Von Stillstand kann keine Rede sein: Im Glockenbachviertel führt sie erfolgreich das erste Monsoon, vor kurzem hat Quynh Doan ein Nagelstudio aufgemacht. Und dann sind da noch ihre niedlichen Kinder, Keanu (2) und seine ein Jahr ältere Schwester Kiara. „Aber ich wollte immer ein Restaurant im Lehel“, sagt sie, „hier gibt es noch kein vietnamesisches Lokal.“ Jetzt schon.

Edler als das erste Monsoon sollte es sein, trotzdem gemütlich. Mit der Innenarchitektin Natalie Nguyen-Ton hat sie das zweistöckige Lokal gestaltet, in warmen Grün-, Gold- und Brauntönen. Die Tapeten zieren etwa Kraniche, die im Kaisserreich Erhabenheit symbolisieren, oder die Maiblumen, die in Vietnam zum Neujahr blühen. Die Cocktail-Bar ist mit Glaskristallen verziert.

Das Untergeschoss wird noch fertig gestellt: Die Gäste sitzen dann in Separees, verziert mit Drachen und Geishas. Kulinarisch tischt Quynh Doan viele Spezialitäten auf, Montags vielleicht bald Menüs aus verschiedenen Regionen.

„Es gibt keine Küche, die so verspielt und vielfältig ist, so verschwenderisch mit Kräutern umgeht wie die vietnamesische“, sagt die Wirtin. Extra serviert werden die zum Beispiel bei den Gerichten zum Selberrollen in Reispapier (etwa mit Garnelen, 19 Euro), mittags gibt es günstige Angebote wie das Reisnudelgericht „Bún Lá Lot“ mit in Betelblättern gegrilltem Rindfleisch, Salat und Kräutern für 7,90 Euro.

Nicht wegzudenken sind die Suppen: Etwa mit Eierbandnudeln und in fünf Gewürzen eingelegtem Schweinefleisch, Garnelen und Kräutern (groß: 13 Euro). „Das Leben ist zu kurz, um schlechte Suppe zu essen“ – das ist ein altes vietnamesisches Sprichwort. Und der Wahlspruch des Monsoon.


Bruderstraße 6, täglich 11.30 Uhr – 14.30 und 18 – 23 Uhr, www.monsoonrestaurant.de, Tel.: 12 19 11 92

 

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