Modellbau-Affäre Fall Haderthauer: Neue Ermittlungen

Unter Beschuss: Das Ehepaar Christine und Dr. Hubert Haderthauer. Foto: Imago

In der Affäre um Geschäfte des Ehemanns der Sozialministerin hat jetzt die  Landesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

 

München - Sozialministerin Christine Haderthauer und ihr Mann Hubert, Leiter der Landgerichtsärztlichen Dienststelle in Ingolstadt, schlittern immer tiefer in die „Modellbau-Affäre“ hinein. Hubert Haderthauer ist jetzt auch zu einem Fall für die Landesanwaltschaft geworden. „Die Regierung von Oberbayern", teilte Behördensprecher Stefan Frey in dürren Worten mit, „hat die weitere Prüfung der gegen Herrn Dr. Haderthauer erhobenen Vorwürfe an die Landesanwaltschaft abgegeben.“

Die Landesanwaltschaft ist die zuständige Disziplinarbehörde für Beamte und kann bei Verstößen empfindliche Strafen verhängen. Zum Fall Haderthauer wollte sich die Behördensprecherin allerdings nicht äußern: „Wir haben die Akten erst am Mittwoch erhalten und konnten uns inhaltlich noch nicht mit dem Fall beschäftigen.“ Eine der wesentlichen Fragen ist wohl, ob sich Hubert Haderthauer die Geschäfte hätte genehmigen lassen müssen. Er selbst hatte erklärt, dass er dies nicht für notwendig erachtet habe.

Zwischen den Haderthauers und ihrem langjährigen Geschäftspartner Roger Ponton bahnt sich derweil ein „Krieg“ an, ungeachtet dessen, was bei den Ermittlungen herauskommt. Hubert und Christine Haderthauer drohen ihm in einem Schreiben juristische Konsequenzen an, falls er seine Aussagen, von ihnen arglistig getäuscht, betrogen und belogen worden zu sein, weiter aufrecht erhält. Ponton bleibt gelassen: „Jedes Wort, das ich gesagt habe, stimmt.“

Roger Ponton ist Gründer der Firma „Sapor Modellbautechnik“, an der zunächst Christine Haderthauer und später ihr Mann zur Hälfte beteiligt waren. Zweck des Unternehmens war die Produktion und Vermarktung edler Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing hergestellt wurden und bei Sammlern hohe fünf- bis sechsstellige Preise erzielten. Die Federführung bei dem Projekt hatte der handwerklich hochbegabte Dreifachmörder Roland S., der damals von Hubert Haderthauer als Arzt betreut wurde.

Nach Bekanntwerden der Affäre hatte Hubert Haderthauer erklärt, dass bei den Geschäften nur sehr geringe Gewinne angefallen seien, pro Jahr zwischen 6000 und 7000 Euro. Roger Ponton, der den Haderthauers im Vertrauen auf deren Redlichkeit auch die finanzielle Abwicklung überließ, ist überzeugt, dass es sich um ein millionenschweres Geschäft gehandelt hat.

In dem Schreiben an Roger Ponton bestreiten die Haderthauers die in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Zahl von 130 gebauten Modellen. Doch genau das bestätigt Roland S., durch dessen Hände jedes einzelne Modell lief. „Es waren vier komplette Serien von jeweils 25 Stück. Dazu kommen die Modelle aus zwei laufenden Serien. Allein in Straubing sind in den letzten Jahren knapp 50 Fahrzeuge produziert worden“, versicherte er auf Nachfrage.

Roger Ponton wiederum erklärt, dass er auf Betreiben seiner Geschäftspartner einen sechsstelligen Betrag in die Firma gesteckt habe. „Einen Gewinn habe ich nie bekommen. Keinen einzigen Cent.“ Stattdessen habe ihm das Finanzamt Ingolstadt jährlich mitgeteilt, dass keine Gewinne angefallen seien. Dazu erklärt er: „Ich bekam auch nie eine Bilanz zu Gesicht, habe mich auf die Haderthauers verlassen.“

Nach Angaben Pontons wollte er ursprünglich die Firma „Sapor Modellbautechnik“ mit einem Psychiatrie-Patienten betreiben, einem ehemaligen Mitarbeiter und mit Roland S., um ihm eine Perspektive zu geben. Dies scheiterte. „Dr. Haderthauer“, sagte er, „hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ohne ihn gar nichts läuft.“

Christine Haderthauer, die Anfang der 90er Jahre als Anwältin in Ansbach arbeitete und laut Ponton auch an den Modellbau-Geschäften als Gesellschafterin und Mitgeschäftsführerin beteiligt war, lehnt jeden Kommentar zu ihren Aktivitäten in Ansbach ab.

Dreifachmörder Roland S. sagt, dass er Christine Haderthauer im Bezirkskrankenhaus Ansbach, wo ihr Mann als Arzt beschäftigt war, auch persönlich kennen gelernt habe. „Sie hat dort mehrere Patienten der Psychiatrie anwaltschaftlich vertreten.“ Zufall?

 

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