Modellauto-Affäre Das Ehepaar Haderthauer im Prozess-Stress

Die ehemalige Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) und ihr Ehemann Hubert. Foto: dpa

Klage über Klage, Verfahren über Verfahren: Dem Ehepaar Haderthauer hat die Modellauto-Affäre viele Probleme eingebracht. Aktuell fordert der ehemalige Geschäftspartner 305.000 Euro.

 

München - Die juristischen Geschosse gegen die prominenten Eheleute Christine und Hubert Haderthauer hageln aus allen Richtungen auf sie ein. Die Ermittlungen der Staatswaltschaft München wegen Verdacht des Betrugs und der Steuerhinterziehung sind nur ein Teil davon. Das Geschäftskonzept, Modellautos mit Hilfe von Psychiatrie-Patienten zu produzieren, hat den Haderthauers noch weitaus mehr Verfahren eingebracht.

Juristische Brennpunkte finden sich auch auf Landgerichtsebene und im Verwaltungsgericht. Die neueste Komponente hat der ehemalige Geschäftspartner der Haderthauers, der Franzose Roger Ponton, hinzugefügt. Er hat beim Ingolstädter Landgericht eine Klage eingereicht. Nach Angaben seines Anwalts Malte Magold sei die Forderung zunächst auf 305.000 Euro begrenzt. „Es kann durchaus noch mehr werden, wenn wir kompletten Einblick in die Akten erhalten haben“, erläutert er.

Bei der Klage geht es um die gleichen Fragen, die auch die Staatsanwaltschaft interessieren. Wie hoch war der Umsatz tatsächlich? Welche Gewinne wurden erzielt?

Die Angaben unterscheiden sich nämlich elementar. Ponton spricht von einem millionenschweren Geschäft, die Haderthauers von lauen Verkaufszahlen, hohen Kosten und geringen Gewinnen. Damit hatte das Ehepaar Ende 2011 auch den fragwürdigen Verkauf der Firma an einen Freund erklärt. „Wegen der angeblich so schlechten Geschäftslage habe ich mich mit 20.000 Euro als Abfindung zufriedengegeben. Mir wurden falsche Zahlen vorgelegt, sonst hätte ich die Vereinbarung in dieser Form nie unterschrieben“, erklärte Ponton vor dem Untersuchungsausschuss.

Ermittlungen gegen Anwalt

Wie brisant die Vereinbarung zu sein scheint, erfuhr der Untersuchungsausschuss bei seiner jüngsten Sitzung. Münchens Generalstaatsanwalt Peter Frank brachte die Mitglieder auf den aktuellen Stand der Ermittlungen, die in drei oder vier Wochen abgeschlossen sein sollen. Unter anderem wurde dabei erwähnt, dass auch gegen den Anwalt ermittelt wird, der den Vertrag im Auftrag der Haderthauers mit dem Geschäftspartner ausgehandelt hat.

Auf die in Landtags-Kreisen vieldiskutierte Frage, ob die Staatsanwaltschaft gegen die einstige Vorzeige-Frau der CSU Anklage erheben wird, ist Generalstaatsanwalt Frank nicht eingegangen. Noch gilt die Unschuldsvermutung. Zum juristischem Problem könnte für Christine Haderthauer allerdings ein weiterer Name werden, der auf der Beschuldigten-Liste der Staatsanwaltschaft steht. Der ihrer Mutter. Den Ermittlungen zufolge sollen Erlöse aus Modellauto-Verkäufen in fünfstelliger Höhe über Konten der Mutter gelaufen sein, die auch nicht in der Buchhaltung auftauchten. Wer hat Haderthauers Mutter dazu gebracht?

Merkwürdige Geldtransfers vom „Sapor Modelltechnik“-Konto zugunsten der Wahlkreismitarbeiterin von Christine Haderthauer haben ebenfalls zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens geführt. Die Mitarbeiterin ist Beschuldigte Nummer fünf.

Viele fordern die Suspendierung des Landgerichtsarztes

Und auch Hubert Haderthauer hält gleich ein ganzes Bündel weiterer juristischer Sprengsätze in der Hand. Sein Streit mit dem Dreifachmörder, der die edlen Modellautos konstruierte und Schadensersatz (18.000 Euro) für einen Rolls Royce verlangt, dürfte noch eines der leichteren Probleme sein, auch wenn das Gericht auf dessen Seite steht.

Überschaubar ist für Haderthauer wahrscheinlich auch ein weiterer Streit, den das Land Bayern gegen ihn führt. Der Staat will Geld (rund 50.000 Euro) zurück, das der Landgerichtsarzt mit der Untersuchung von Drogenabhängigen nebenbei verdient haben soll. Richtig unangenehm für ihn könnte allerdings ein Disziplinarverfahren werden, das die Landesanwaltschaft gegen Haderthauer führt. Die privaten Geschäfte mit dem Dreifachmörder, die nach den Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses nicht immer im Einklang mit seinen Aufgaben als Arzt zu stehen schienen, werden wahrscheinlich eher auf seiner Negativseite verbucht. Aus Reihen der Landtagsopposition wurde aufgrund der bekannt gewordenen Details schon mehrfach die vorübergehende Suspendierung des Landgerichtsarztes gefordert. Peter Bauer (Freie Wähler) und Ulrike Gothe (Grüne), beide Mitglieder des Untersuchungsausschusses, sind unabhängig voneinander der Meinung: „Solange die Vorwürfe im Raum stehen und nicht entkräftet sind, ist er als Landgerichtsarzt nicht tragbar.“

 

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