"Mobil in Deutschland" Personal, Sicherheit: Lobbyisten gegen Blitz-Marathon

Die Polizei Bayern wird am Mittwoch zahlreiche Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Ab Mittwoch heißt es 24 Stunden lang wieder Obacht auf den Straßen. Denn die Polizei misst verstärkt Geschwindigkeiten. Doch Auto-Lobbyisten fordern, die ganze Aktion abzusagen. Was sind die Gründe?

 

München - Einmal kurz nicht aufgepasst und – schwups – ein kurzer weißer Stich im Augenwinkel: Es hat geblitzt! Panischer Blick auf den Tacho, wie viel war ich drüber? So kann es am Mittwoch besonders vielen Bayern gehen. Denn dann sind besonders viele Radarfallen aufgestellt. Es ist wieder Blitzmarathon, 24 Stunden, ab Mittwochmorgen um 6 Uhr.

Zum fünften Mal führt die Polizei diese besondere Messaktion durch. Insgesamt rund 1900 Polizisten und 50 Messtechniker der Gemeinden und kommunalen Verkehrsüberwachung sind dabei im Einsatz – an mehr als 1900 möglichen Messstellen, teilt das Innen- und Verkehrsministerium mit. Eine Liste dieser möglichen Messstellen können Autofahrer unter www.stmi.bayern.de abrufen.

Minister Joachim Herrmann (CSU) sagt: "Es geht uns nicht darum, möglichst viele Autofahrer zur Kasse zu bitten. Wir wollen das Problembewusstsein der Autofahrer für zu hohe Geschwindigkeit schärfen." Vor allem Rasern auf Landstraßen gelte das Augenmerk.

Problem: Personalmangel und aktuelle Sicherheitslage

Der große Personaleinsatz stößt dem Automobilclub "Mobil in Deutschland" auf: "Ist das in der jetzigen Situation hinsichtlich Personalmangel bei der Polizei und der aktuellen Sicherheitslage im Land eine sinnvolle und nachhaltige Aktion?", fragt Präsident Dr. Michael Haberland in einer Mitteilung. Er fordert alle Bundesländer auf – denn nicht nur Bayern macht mit – den Blitzmarathon abzusagen.

Haberland möchte seine Kritik als Lob an die Arbeit der Polizei verstanden wissen: "Unsere Polizei leistet derzeit Schwerstarbeit und wird dann noch mit einer Blitz-Offensive bestraft." Und er lobt diejenigen, die schon Konsequenzen gezogen und die Messaktion tatsächlich nicht durchführen werden, etwa die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg.

Ein Sprecher des dortigen Innenministeriums habe diese Entscheidung mit dem verwantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen begründet. "Das zeigt, wer es begriffen hat. Nicht auszudenken, wenn an diesem Tag was passiert und das Bundesland zu wenig Polizei hat, weil die Einsatzkräfte auf den Straßen Geschwindigkeitskontrollen durchführen", so Haberland.

Forderung: Tempo 30 – in der ganzen Stadt!

Das fordert das Umweltbundesamt. "Tempo 30 sollte auf allen Straßen in der Stadt gelten", sagte Präsidentin Maria Krautzberger. "Tempo 30 bringt bessere Luft, flüssigeren Verkehr und weniger Unfälle – und man ist in der Regel genauso schnell unterwegs."

In einem Papier nennt das Umweltbundesamt (UBA) Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit bei den Zielen bis 2020. Im Verkehrsministerium hält man wenig von einer generellen Tempo 30-Regelung. Sie schränke die Entscheidungsfreiheit der Kommunen ein.

Ein ADAC-Sprecher verwies auf eine Untersuchung, der zufolge Autos bei Tempo 30 nicht weniger CO2 und Stickoxide ausstoßen als bei Tempo 50.

Lesen Sie hier: 24 Stunden-Aktion gegen Raser - Blitzmarathon: Hier werden Sie am Mittwoch geblitzt

 

17 Kommentare