Mit viel Begleitprogramm Umstrittene "Nakba"-Ausstellung findet statt

Die umstrittene Nakba-Ausstellung an der Montessori-Fachopberschule wird stattfinden - allerdings mit viel Begleitprogramm. Auch Kritiker sind geladen.

 

Schwabing - Ganz schön viel Wirbel ist in den letzten Wochen über die Montessori-Fachoberschule hereingebrochen. Der Grund: Die Schule hatte angekündigt, die Ausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser" des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon e.V. an der Schule zu zeigen - schulintern und somit nicht öffentlich.

Was folgte, war eine große Welle der Kritik: Die Europäische Janusz-Korczak-Akademie und die Deutsch-Israelische Gesellschaft wandten sich an die Schule, auch die Grüne Jugend forderte, die Ausstellung abzusagen. Die Ausstellung sei propagandistisch, einseitig, geschichtsverfälschend und schüre Hass, so die Kritiker.

"Wir haben etwa 30 Zuschriften von Kritkern der Ausstellung bekommen, allerdings auch etwa 50 von Befürwortern", sagt Schulleiter Carl Mirwald.

Die Ausstellung wird nun in der Schule gezeigt. Allerdings soll sie nicht unkommentiert stehen bleiben. Die Schule plane ein umfangreiches Rahmenprogramm, sagte Mirwald zur AZ. 

So werden während der Ausstellungsdauer bis Mitte Februar Gesprächs- und Diskussionsveranstaltungen mit der israelischen Friedensaktivistin Judith Bernstein, dem Nah-Ost-Experten Reiner Bernstein, dem Holocaust-Zeitzeugen Ernst Grube und dem Soziologen Alfred Grosser in der Schule stattfinden. 

Außerdem gebe es diverse Unterrichtsprojekte, die sich auch mit der Bedrohung, der Israel und seine Bevölkerung ausgesetzt sind, befassen.

Auch sämtliche Kritiker habe man zu den Veranstaltungen eingeladen, sagte Mirwald. "Wir hoffen auf den Dialog. Wir wollen uns wirklich nicht auf die eine oder andere Seite schlagen. Die Schüler sollen lernen kritisch zu sein, auch im Umgang mit Quellen, und sich ihr eigenes Bild machen."

Zuletzt hatten sich auch die Liberale Jüdische Gemeinde Beth Shalom und die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern in offenen Briefen an die Schule gewandt.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch kritisierte: „Es handelt sich um eine absolut perfide Instrumentalisierung des Nahost-Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern auf Basis einer geschichtsverfälschenden Darstellung.“

Sie hatte deshalb die Schulleitung aufgefordert, die Ausstellung noch einmal zu überdenken: „Gerade im pädagogischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist es entscheidend, dass ausschließlich Material eingesetzt wird, dem ein redlicher, freiheitlich-demokratischer Bildungsansatz zugrunde liegt."

Auch der Beth Shalom-Vorsitzende Jan Mühlstein bat die Schule darum, die Ausstellung abzusagen: Den Schülern werde damit die Chance genommen, „die komplexe Vergangenheit und Gegenwart in Israel, Palästina und den arabischen Nachbarländern verstehen zu können. Wir bitten Sie eindringlich, auf die Ausstellung zu verzichten und stattdessen Ihren Schülern die Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit den Positionen aller Konfliktparteien sowie zum Kennenlernen der zivilgesellschaftlichen Initiativen von Palästinensern und Israelis zur Entschärfung und Beilegung des Konflikts anzubieten“, schrieb er in seinem Brief.

 

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