Mit Renn-Buggy durch München Vor Polizei abgehauen: Die irre Flucht des Auto-Freaks

Ein Mann und sein Auto – pardon: Renn-Buggy. Sigmar F. aus Perlach posiert im Juli diesen Jahres am Odeonsplatz mit seinem 300 PS starken Ariel Atom. Wir haben die irre Flucht nachgezeichnet. Jetzt steht er vor dem Münchner Amtsgericht. Foto: AZ

Der Perlacher Auto-Freak Sigmar F. rast mit seinem 300 PS starkem Gefährt durch die halbe Stadt. Auf seiner Flucht vor der Polizei macht er auch vor dem Gehsteig nicht halt

 

München - Das Auto sieht merkwürdig aus. Aber das ist den Beamten in diesem Moment egal. Es fährt 65 Stundenkilometer zu schnell – mitten im Altstadttunnel. Tempo 115 statt 50, das wird ein richtig dicker Strafzettel. Aber dann kommt es ganz anders.

Die zivilen Verkehrsüberwacher blitzen den schwarzen Buggy am Sonntag um 15.40 Uhr und folgen ihm zur Staatskanzlei, wo sie ihn anhalten wollen.

Sigmar F. hat andere Pläne. Der Buggyfahrer biegt rechts ab in die Hofgartenstraße und gibt Gas. Er will entkommen, und er könnte es schaffen. Der 39-Jährige fährt nämlich eines der schnellsten Autos der Stadt: Der Ariel Atom ist ein straßenzugelassener Hochleistungs-Sportwagen aus England. 469 Kilo leicht, aus Stahlrohren und Carbon, mit sechs Gängen, 1998 Kubikzentimetern Hubraum und Honda-Vierzylinder-Motor mit 300 PS. Er beschleunigt in 2,9 Sekunden auf Tempo 100, weltweit der drittschnellste Wert.

Fahrer Sigmar F. biegt von der Hofgartenstraße in die Alfons-Goppel-Straße und links in die Maximilianstraße. Er rast stadtauswärts – die Polizei hinterher!

Die Verfolgungsjagd führt über die Isar und rund um den Landtag. Dort biegt Sigmar F. links in die Ismaninger und wieder rechts in die Prinzregentenstraße ein, rast mit über 100 Sachen zum Prinzregentenplatz, biegt in die Lucile-Grahn-Straße ab und kommt wieder auf die Einsteinstraße. Dann fährt er durch den Leuchtenbergtunnel in Richtung Süden.

Bis hierher hat der Perlacher schon fünf rote Ampeln überfahren und jede Menge Verkehrsteilnehmer gefährdet – darunter seinen Beifahrer, der noch unbekannt ist.

Der wildeste Teil der Verfolgungsjagd kommt aber noch: Sigmar F. rast vom Ring runter auf die Ampfinger Straße und rechts in die Anzinger Straße. Er ist jetzt in Ramersdorf.

An der Kreuzung zur Rosenheimer Straße hat die Polizei den Verkehr angehalten. Die Straße ist zu. Dafür ist der Gehsteig frei – Sigmar F. rast dort mit Tempo 100 an der Sperre vorbei. Ihm folgen mehrere Streifenwagen, auch sie auf dem Bürgersteig.

Der Buggy entkommt trotzdem. Die Polizisten wollen das Risiko für Passanten und Autofahrer nicht tragen und brechen die Verfolgung ab. Sigmar F. rast davon – in Richtung Giesing.
Plötzlich meldet sich eine Zeugin. In ihrem Hinterhof in der Werinherstraße 95 ist gerade ein seltsames Auto mit quietschenden Reifen eingefahren.

Die Beamten nehmen Sigmar F. dort fest. Ihn erwarten: eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, 24 Punkte in Flensburg, drei Monate Fahrverbot und über 1000 Euro Strafe.
Normalerweise fährt er mit dem Atom Münchner für ein paar Euro durch die Stadt. Das kann er jetzt vergessen.
War’s das wert? Er schweigt dazu.

 

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