Mit Hochdruck: Bohren nach Gas Altmaier erlaubt Fracking

Eine Gas-Bohrstelle in Luenne bei Lingen von der Firma Exxon. Foto: dpa

Die Bundesregierung will bis zum Sommer 2013 das Bohren nach Gas mit Druck und Chemikalien erlauben. Rot-Grün und CSU sind dagegen

 

BERLIN Die zuständigen Minister sehen es als Einschränkung, die Gegner sehen es als Erlaubnis – Fakt ist: Die Bundesregierung bringt eine Verordnung auf den Weg, die erstmals regelt, wo und wie in Deutschland mit der umstrittenen Fracking-Technik nach Gas gebohrt werden kann.

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hat sich mit Wirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) geeinigt, dass die Verordnung vor der Sommerpause des Bundestags in Kraft treten soll. Allerdings muss dafür das Wasserhaushaltsgesetz geändert werden. Dem muss der Bundesrat zustimmen. Der ist in rot-grüner Hand – die Parteien haben ihren Widerstand angekündigt.

Dabei kommt sich Altmaier eigentlich als Bewahrer vor: „Beim Fracking hat der Bundesumweltminister auf die Bremse getreten“, sagt er. „Fracking bietet erhebliche Chancen“, so Rösler. „Wir müssen aber mögliche Auswirkungen auf die Umwelt im Auge behalten.“ Weil die aber nicht abzuschätzen sei, setzt sich Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) für ein Verbot ein. Das sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Warum Fracking so umstritten ist wie derzeit die Rechtslage ausschaut und was sich ändern soll – die wichtigsten Fragen zum Fracking:

Was ist Fracking?

Fracking ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen. Dabei wird Gestein in bis zu 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Es wird erst nach unten gebohrt, dann finden im Untergrund Querbohrungen statt. Es ist besonders in den USA wirtschaftlich und politisch interessant geworden, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden.

In der Regel wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die das Gas entweicht und über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann.

Was sieht die neue Verordnung vor?

Bisher ist nicht exakt geregelt, ob Fracking erlaubt oder verboten ist. In der Praxis wird das Verfahren seit 1961 auch in Deutschland eingesetzt, in Norddeutschland kam es zu bisher zu 320 Bohrungen.

Die neue Verordnung soll nun grundsätzlich regeln, was erlaubt ist und was nicht. Demnach wären Trinkwasserschutzgebiete ausgenommen, das sind 14 Prozent der Fläche Deutschlands. Außerdem wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben.

Wie viel Gas könnte gewonnen werden und wo liegt es?

Die Schätzungen schwanken für Deutschland zwischen 1,3 und 2,3 Billionen Kubikmetern. Das würde ausreichen, um die Republik bis zu 27 Jahre mit Gas zu versorgen. Die meisten Vorkommnisse werden in Niedersachsen und NRW vermutet, aber auch im gesamten Raum zwischen Donau und Alpen könnte Schiefergas gefunden werden.

Was sind die Risiken?

Umweltschützer befürchten eine Verunreinigung des Trinkwassers, das Umweltbundesamt sieht zudem Risiken bei der Entsorgung des Abwassers. Der US-Film „Gasland“ zeigt Fälle, in denen Methan in Häusern aus Wasserhähnen dringt und sich in Waschbecken entzündet. Laut Ingo Kapp, Physiker am Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam, sind das Einzelfälle aus den USA, wo nicht sauber gearbeitet wurde. Georg Thanscheidt

 

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