Mit diesem Plan Königssee und Ammer: Seeforelle soll wieder zurückkommen

Ihr Zuhause sind große, sauerstoffreiche Seen – zum Laichen steigt die Seeforelle in die Zuflüsse auf. Foto: imago

Vor einigen Jahren ist die Seeforelle aus Bayerns Seen verschwunden – Schuld daran trägt auch der Mensch. Jetzt soll sie zurückkommen.

 

München - Ihr gedrungener torpedoförmiger, seitlich abgeflachter Körper, das silberne Schuppenkleid mit schwarzen Fleckerln oder Kreuzerln und die Ähnlichkeit zum Lachs machen die Seeforelle zu einer der schönsten Fischarten im deutschsprachigen Raum – nicht umsonst nennen Fischer und Ökologen das Tier auch Königin der Alpenseen.

Seeforelle in Bayern: Vor 30 Jahren noch vorhanden

Doch seit einigen Jahren ist die Seeforelle weitgehend aus Bayerns Gewässern verschwunden, im Königssee ist sie mittlerweile ganz verschollen. "In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es bei der Seeforelle in nahezu allen großen, oberbayerischen Seen Bestandseinbrüche", sagt Ulrich Wunner, Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern.

Drei Viertel der Flussfischarten stehen auf der Roten Liste

Die Gründe für das Verschwinden beispielsweise im Königssee sind vielfältig: "Möglicherweise sind geeignete Laichplätze weggefallen oder ein vermehrter Nährstoffeintrag und das damit verbundene verstärkte Pflanzenwachstum kommen der Seeforelle als Kieslaicher nicht entgegen", sagt Experte Wunner.

Auch der Mensch gefährdet den Wanderfisch, der im tiefen Seewasser lebt und im Herbst zum Laichen in die Zuflüsse zieht.

"Wasserkraftwerke, Wehre und Dämme blockieren die Wanderwege der Fische", kritisiert der Landesfischereiverband (LFV) Bayern. "Sie verhindern den freien Transport von lebenswichtigem Kies in den Flüssen und sorgen mit ihrem künstlichen Aufstau für zu hohe Wassertemperaturen in den Fließgewässern." 77 Prozent der heimischen Flussfischarten sind bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Königssee und Ammer: Seeforelle wird gezüchtet

Nun kehrt die Seeforelle nach Bayern zurück – sie soll wieder heimisch werden in Königssee und Ammer, dem Zufluss des Ammersees, einst eines der wichtigsten Aufwuchsgewässer für die "Salmo trutta lacustris", wie die Seeforelle wissenschaftlich heißt. Experten des LFV Bayern erbrüten aktuell Seeforelleneier direkt im Ammerwasser. "Damit sorgen wir für den sogenannten Homeing-Effekt", sagt LFV-Biologe Patrick Türk. "Schlüpfen die Fische im Flusswasser und nicht im Zuchtbecken, werden sie automatisch auf ihr Heimatgewässer geprägt." Das erhöht die Chancen, dass sie als große Fische aus dem Ammersee zurückkehren und in der Ammer mit ihren Seitenbächen für einen natürlichen Arterhalt sorgen.

Am Königssee entließen Mitarbeiter des Nationalparks Berchtesgaden, die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern und Königssee-Berufsfischer Thomas Amort Ende März 10.000 Seeforellen-Brütlinge behutsam in den renaturierten Saletbach und in die Kiesbank vor St. Bartholomä.

Freilich haben die nur drei Tage alten Kleinfische auch natürliche Gegner – doch Angst brauchen die jungen Seeforellen nicht zu haben. "Die Jungfische verstecken sich sofort im Kies und sind damit für Fressfeinde kaum zu erreichen", sagt Fischer Amort, der nun jedes Jahr weitere 10.000 bis 15.000 Seeforellen-Eier und -Brütlinge am Königssee aussetzen will. Nur auf diese Weise könne man die Bestände stützen, sagt Amort.

Das bisher schwerste gefangene Exemplar ging dessen Vater Rudi 1976 ins Netz: Rund 55 Pfund wog seine Seeforelle aus dem Königssee, sie war rund einen Meter lang und zwölf Jahre alt – damals, als die Königin der Alpenseen noch heimisch war am Fuße des Watzmanns.

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