Mit Bundespräsident Gauck Trauergottesdienst für Hildegard Hamm-Brücher

, aktualisiert am 19.12.2016 - 17:28 Uhr
Ergreifende Trauerfeier für Hildegard Hamm-Brücher - die Bilder. Foto: Michael Nagy/Presseamt München/Schramek

Die große Politik erweist Hildegard Hamm-Brücher die letzte Ehre. Die bewegendsten Worte aber findet ihr Sohn in einer persönlichen Rede.

München - Fast zwei Stunden läuft die Trauerfeier für Hildegard Hamm-Brücher schon. Natürlich ist das Werk der Politikerin ausgiebig gewürdigt worden – und eine Frau, die viele Bürger mochten, einen Menschen, der ein Vorbild war. Jetzt geht es nicht mehr um die Politikerin. Florian Hamm, ihr Sohn, spricht über die Mutter und Ehefrau Hildegard Hamm-Brücher – und über die letzten Wochen ihres langen, bewegten Lebens. Über das Abschiednehmen in der Familie.

„Ein trauriges Jahr für unsere Stadt“, sagt der Oberbürgermeister.

Diese Wochen seien „schön und traurig zugleich“ gewesen, erzählt er. „Die Kräfte ließen nach, die Verständigung wurde schwieriger.“ Aber es habe immer wieder „wunderbare klare Momente gegeben, in denen Abschied genommen werden konnte“. Hamm erzählt von seiner Mutter als einer Frau, die zufrieden gehen durfte. „Es waren Wochen, in denen meine Mutter völligen inneren Frieden gefunden hat.“ Sie sei gewiss gewesen, dass „sie sich auf die Menschen verlassen kann, die ihre Ideale weiterführen, gegen immer neue Bedrohungen verteidigen und stärken werden.“

Hildegard Hamm-Brüchers Ideale: die Freiheit, die wehrhafte Demokratie, die Gleichberechtigung von Frauen. Ihr Vermächtnis ist allgegenwärtig an diesem traurigen, würdigen Vormittag in der evangelischen Lukaskirche im Lehel. Florian Hamm spricht stolz über den Mut, der seine Mutter ausgezeichnet habe, darüber, wie viel sie von sich selbst und den ihren immer erwartet habe. Er erzählt aber auch von Ängsten und Unsicherheiten Hamm-Brüchers, lässt erahnen, wie schwer ihr die öffentliche Rolle gelegentlich gefallen sein mag – etwa, als sie Anfeindungen ausgesetzt war, weil sie das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) nicht mittragen wollte. „Ich wünsche mir viel mehr Menschen, die bereit sind, für ihre übergeordneten Ziele ihre persönlichen Ängste zu überwinden“, sagt er. „Ich wünschte mir diese Haltung nicht nur in der Politik, sondern weit hinausgehend in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.“

OB Dieter Reiter ist schon lange vor dem Gottesdienst da. Er spricht vor der Kirche von einem „traurigen Jahr für die Stadt“. Von Hamm-Brücher könne man lernen, der Parteilinie nicht zu folgen, wenn es den Überzeugungen widerspricht. Ihr langjähriger Wegbegleiter, Ex-Innenminister Gerhart Baum (FDP), sagt in seiner Rede: „In den Reaktionen auf ihren Tod drückt sich eine Sehnsucht nach Politikern aus, denen man vertrauen möchte.“ Sie sei eine „moralische Instanz“ gewesen.

Gauck, Vogel und Herrmann unter den Trauergästen

Den Gottesdienst leitet Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Hamm-Brüchers Verdienste um die Kirche würdigt. Unter den Trauergästen sind Bundespräsident Joachim Gauck, die Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Christian Ude, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer und Innenminister Joachim Herrmann.

Doch Hamm-Brücher hat weit über die Parteipolitik hinaus gewirkt, das lässt sich schon am Morgen sehen, es ist noch eine Stunde hin bis zur Trauerfeier, da sind schon die ersten Bürger da. Eine ältere Dame ist alleine gekommen, um sich zu verabschieden . „In Dankbarkeit und Bewunderung“, schreibt sie in ein Kondolenzbuch und setzt sich in eine Kirchenbank.

Ganz zum Schluss erzählt Florian Hamm vom letzten Lächeln im Gesicht seiner Mutter, „wenige Stunden vor ihrem Tod“. Er widmet es all jenen, die weiter für die Demokratie kämpfen wollen. So wie es Hildegard Hamm-Brücher, die große Münchnerin, ein langes, erfülltes Leben lang getan hat

 

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