Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer im AZ-Interview: "In Mainz singen wir im Stadion Fastnachtslieder"

Malu Dreyer ist Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz - und Mainz-Fan. Foto: dpa

Karneval und Fußball gehören in Mainz zusammen, sagt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Außerdem: Für wen Malu Dreyer heimlich schwärmt – und warum sie Markus Söder nicht trösten muss.

 

AZ: Frau Ministerpräsidentin, Sie drücken am Samstag dem FSV Mainz 05 die Daumen. Wahre Liebe oder doch eher Landesmutter-Pflicht?
MALU DREYER: Ich drücke dem FSV Mainz 05 aus innerer Überzeugung am Samstag beide Daumen. Ich bin selbst mit meinem Mann im Stadion und freue mich schon sehr. Spiele gegen Bayern München sind immer etwas Besonderes. Mainz hat die Bayern häufig geschlagen und das wird auch am Samstag der Fall sein.

Karnevals-Helau oder Stadion-Gesänge, wo stimmen Sie lieber mit ein?
Für eine Fastnachterin und Fußballfan ist das einfach: An Fastnacht wird geschunkelt und gesungen – und das macht Riesenspaß. Übrigens: Wir Mainzer singen Fastnachtslieder auch im Fußballstadion. Beim Schunkeln reichen sich die Menschen bei uns an Fastnacht die Hände. Das ist auch gelebte Toleranz und Gemeinschaft. Und wenn das ganze Jahr über im Stadion zu Beginn alle Fans gemeinsam „You’ll Never Walk Alone“ anstimmen und ihre Fan-Schals hochhalten, dann beginnt das Spiel mit einem tollen Gemeinschaftsgefühl, das ich sehr genieße. Und dann fiebere ich mit allen einem tollen Spiel entgegen.

Ist die Mainzer Feuerwurst wirklich die beste Stadionwurst der Bundesliga?
Ich kenne natürlich nicht alle Würste aller Bundesligastadien in Deutschland – aber ja, die Mainzer Feuerwurst ist so extrem lecker, dass sie bestimmt die beste Stadionwurst der Bundesliga ist! Die Bayern-Fans sind gerne eingeladen, unsere Wurst zu testen.

Bruchweg-Stadion oder Opel-Arena – wo ist die Stimmung besser?
Das Wichtigste sind die Fans. Die machen die Stimmung – im alten und im neuen Stadion. Auch wenn der Charme des Bruchweg-Stadions ein besonderer war – ich kann nur sagen, unsere Arena ist ein klasse Stadion mit toller Atmosphäre, für die die Fans sorgen. Und toll ist auch, dass bei der Planung des Stadions konsequent auf die Teilhabe behinderter Menschen Rücksicht genommen wurde. Sie wurden in die Konzeption aktiv mit einbezogen, wir haben besonders viele Plätze für Rolli-Fahrer. Mainz 05 ist hier ein Vorbild.

Apropos Vorbild: In Mainz nahm die Weltkarriere von Jürgen Klopp ihren Anfang...
Ich muss zugeben, ich bin ein heimlicher Klopp-Fan. Er hat mitgeholfen, aus Mainz eine Fußballstadt zu machen. Als er in Dortmund war, habe ich mir die Spiele des BVB gerne im Fernsehen angesehen – und seitdem er in Liverpool ist, verfolge ich auch die englische Liga von meinem Sofa aus. Ich bin sicher, die Mainzer tragen Jürgen Klopp im Herzen.

Der FSV Mainz wirkt wie eine große Familie. Selbst Trainerentlassungen, wie zuletzt die von Sandro Schwarz, verlaufen hier geräuschlos. Die SPD dagegen geht weniger zimperlich mit ihren Führungspersonen um. Was kann die Sozialdemokratie vom FSV lernen?
Auch die SPD in Rheinland-Pfalz ist wie eine große Familie, die sich nicht auseinanderdividieren lässt, mit klarem Kompass und respektvollem Umgang. Ich bin mir sicher, auch unsere neue Parteispitze Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans werden dafür kämpfen, dass wir gemeinsam in eine gute Zukunft gehen.

Und vom FC Bayern? Das Gewinnen vielleicht?
Auch beim FC Bayern gibt es Höhen und Tiefen – wie überall im Sport und in der Politik. So steht ja auch der FC Bayern jetzt vor der Aufgabe, einen Umbruch auf der Führungsebene zu gestalten.

Ihr bayerischer Amtskollege Markus Söder ist Anhänger des 1. FC Nürnberg, der aktuell in Richtung Dritte Liga taumelt. Wenn Sie sich im Bundesrat treffen, müssen Sie ihn dort trösten – oder haben Sie das schon aufgegeben?
Markus Söder braucht keinen Trost. Und ich hoffe, dass der traditionsreiche Club die Klasse hält und wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen kann.

Oliver Kahn hat Anfang des Jahres einen Vorstandsposten beim FC Bayern übernommen, arbeitet aber weiter als Experte fürs ZDF. Haben Sie als Vorsitzende des Verwaltungsrats nicht Bauchschmerzen angesichts dieser Doppelrolle?
Nachdem bekannt wurde, dass Herr Kahn einen Vorstandsposten beim FC Bayern München übernehmen wird, hat sich das ZDF mit der Frage befasst, welche Auswirkungen das auf seine Tätigkeit als Fußballexperte für das ZDF hat. Mit der notwendigen Sensibilität für die Thematik wurde eine gute Lösung gefunden.

Was ist wahrscheinlicher: Eine Mainzer Meisterschaft oder dass die SPD die nächste Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler stellt?
Eine Meisterschaft des FSV Mainz 05 wäre super, aber das kann ich leider nicht beeinflussen. Was die SPD betrifft: Ich bin fest überzeugt, dass sie einen berechtigten Führungsanspruch hat, weil sie für die richtigen Werte und politischen Ziele steht. Ich werde weiter alles daransetzen, die Menschen davon zu überzeugen. Die SPD hat vieles auf den Weg gebracht und durchgesetzt – die Grundrente zum Beispiel oder mehr Geld für Familien und Kindertagesstätten – und ich wünsche mir, dass dies noch stärker in das Bewusstsein der Menschen rückt.

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