In der Stadt wird die Landtagswahl für die CSU besonders schwer. Markus Söder reagiert mit einer Zukunftsvision für die Münchner.

München - Die CSU hat ein München-Problem. Gleich drei Stimmkreise könnte die Konkurrenz gewinnen, zwei die Grünen, einen die SPD. Und was macht der Ministerpräsident? Startet eine München-Offensive. Erst dieser Tage versprach Markus Söder überraschend viel Geld für ein Isarflussbad, wahlkämpfte im Aubinger Festzelt. Am Montag nun präsentierte der Ministerpräsident seinen Plan für die "Metropolregion München".

Und so will er die Großstädter überzeugen: mit Visionen für die Infrastruktur – und dem Zeichen, dass München über all die Boom-Nachrichten nicht sein Herz als gemütliche, bayerische Stadt verlieren soll. Er wolle den "Stadt-Stress" bekämpfen, erklärte Söder. Er sprach explizit von "Entschleunigung", kündigte an, Stadt und Umland besser verzahnen zu wollen. Das ist keine überraschende Nachricht, ähnliches kündigen Politiker häufig an. OB Dieter Reiter (SPD) trifft sich regelmäßig mit Umland-Bürgermeistern.

Söder will den S-Bahn-Ring für München

Schon überraschender: Söder will sich auch in den U-Bahnausbau einbringen und plädiert für einen S-Bahn-Ring, wie ihn etwa die Freien Wähler immer wieder gefordert haben. Die Finanzierung? Da bleibt er vage. Die Staatsregierung investiere schon heute fünf Milliarden Euro pro Jahr für München. "Und das wird sicher nicht weniger werden."

Bis es zu einem Mega-Ausbau der S-Bahn kommt, sollen wenigstens schon mal Expressbusse zwischen den S-Bahn-Ästen eingeführt werden. Binnen fünf Jahren hält der Ministerpräsident das für realistisch. Nach der Wahl will er Bürgermeister und Landräte aus dem Umland zu einer "Generalbesprechung" über seine Pläne einladen – an deren Ende irgendwann auch über die Dritte Startbahn beraten werden soll. Aber erst, wenn das Gesamtkonzept steht.

Und noch eine Überraschung: Geht es nach Söder, soll der Mittlere Ring kreuzungsfrei werden – und überall dort durch Tunnel laufen, "wo es möglich ist". Außerdem Teil der ministerpräsidentiellen Zukunftsvision sind Fahradschnellwege und -Brücken in der Stadt. Ergänzt werden solle das Infrastruktur-Konzept durch "moderne Einheiten wie Flugtaxis und Seilbahnen".

Kurzfristig sendet Söder vor allem das Signal, dass er verstanden hat, dass es vielen Münchnern reicht mit immer noch mehr Wachstum. München dürfe nicht zu einer "Stadt der Superreichen" werden, sagte er. Wohnen müsse bezahlbar sein. Entscheidend sei deshalb, dass mehr und schneller gebaut werde. "Wir unterstützen alles, was – wo geeignet höher – und nachhaltig ist", verspricht er. Auch deshalb solle das Planungsrecht "atmender und flexibler" werden.

Söders München-Offensive: Staatsregierung will eigenen Beauftragten

Um zu zeigen, wie ernst es ihm ist mit der München-Offensive, kündigte er gleich auch noch an, einen München-Beauftragten der Staatsregierung einzusetzen: Digitalminister Georg Eisenreich. Der wiederum zeigte beim Parteitag, dass die Münchner CSU im Wahlkampf auch auf Attacke setzen will. "Die Grünen können sich noch so bürgerlich verkleiden, sie sind und bleiben eine linke Partei", sagte er in seiner Rede.

Bürgermeister Josef Schmid, der selbst für den Landtag kandidiert, sagte der AZ: "Der Ministerpräsident hat München im Fokus. Söder kann und versteht als Nürnberger Großstadt." Dass Söder Franke sei, spiele heutzutage gar keine Rolle mehr.

Im Wahlkampf wollen Schmid und seine Leute auch auf Erfolge im Rathaus verweisen. Ob all das die Wähler in der Stadt überzeugt, zeigt sich dann am 14. Oktober.