Millionen Menschen in Gefahr Krise in Somalia: Ein Land verdurstet

Gezeichnet von der Dürre: Von 300 Ziegen und 40 Kamelen sind beim somalischen Viehhirten Saida Mousseh Mohammed Hassan noch etwa 30 Ziegen und zehn Kamele übrig. Foto: dpa

In Somalia steht eine humanitäre Katastrophe bevor. Genauso in drei anderen Staaten. 20 Millionen Afrikaner könnten sterben.

 

Zwanzig Millionen Mensschen droht in Afrika der Hungertod. Allein in Somalia kämpfen rund sechs Millionen – das entspricht der Hälfte der gesamten Bevölkerung – gegen die anhaltende Dürre. Wenn nicht mehr internationale Hilfe kommt, geht die UN vom Schlimmsten aus.

Der UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien hat den Weltsicherheitsrat am Wochenende um Hilfe gebeten. Er hatte kurz zuvor die Krisengebiete im Jemen, im Südsudan und in Somalia sowie in Nigeria besucht und sich ein Bild der Lage gemacht. Und es ist ein schlimmes Bild: "Menschen werden schlicht und einfach den Hungertod sterben", so O’Brien.

Ein "kritischer Punkt in der Geschichte der Vereinten Nationen"

Für ihn ist ein "kritischer Punkt in der Geschichte der Vereinten Nationen" erreicht. Es sei die größte humanitäre Katastrophe seit der Gründung, beschreibt O’Brien die Extrem-Situation in den afrikanischen Staaten. "Die Lage für die Menschen in diesen Ländern ist schrecklich und ohne eine große internationale Reaktion wird sie noch schlimmer."

Rasche Hilfe und auch finanzielle Unterstützung seien nötig, da noch die Gelegenheit bestehe, das Schlimmste zu verhindern.

Die vier gefährdeten Länder: Von Dürre und Terror gezeichnet

  • Somalia: Mehr als sechs Millionen sind wegen der schweren Dürre auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mangels sauberen Trinkwassers ist die Cholera ausgebrochen, mehr als 7700 Fälle wurden in zwei Monaten gezählt.
    Am vergangenen Sonntag wurde erstmals seit fünf Jahren ein Güterschiff vor der Küste Somalias von Piraten gekapert. Experten sagen, dass das mit der "verzweifelten Lage" Somalias zu tun hat.
    Die Terrormiliz Al-Shabaab versucht zudem einen Gottesstaat zu errichten.
  • Jemen: Sieben Millionen sind dort akut unterernährt oder wissen nicht, wie sie an ihre nächste Mahlzeit kommen. Im Jemen kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung.
  • Südsudan: Mindestens eine Million Menschen stehen vor der Hungersnot, mindestens 5,5 Millionen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
  • Nigeria: Fünf Millionen brauchen im Nordosten Nahrungsmittelhilfe. Das Abgleiten ins Chaos begann hier 2009 mit dem Erstarken der Terrororganisation Boko Haram. Die Gewalt hat zu einer Massenflucht geführt, Felder wurden nicht mehr bestellt und staatliche Strukturen wie das Gesundheitssystem brachen zusammen.

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