Milliardengeschäft in den USA "Make Marihuana great again": Boom auch in Deutschland?

Unterstützer der Cannabis-Industrie: der Abgeordnete Dana Rohrabacher mit Kappe. Foto: dpa

Der Konsum von Hanf ist in den USA längst ein Milliardengeschäft. Nun loten auch Fachleute in Berlin die Möglichkeiten aus. Sie treffen sich zu Europas erster "Cannabis-Business-Konferenz".

 

Berlin - Sie tragen mal Anzug und Seitenscheitel, mal Pulli und Rasta-Locken. Sie wollen Marihuana aus der Ecke der Hippie-Drogen holen – und schwärmen von der Aussicht auf einen Milliardenmarkt. Es ist ein bunter Haufen aus Geschäftsleuten, Experten und Ärzten, die sich diese Woche zu Europas erster "Cannabis-Business-Konferenz" in Berlin versammelt haben.

Nach dem Start eines Gesetzes, das Cannabis in Deutschland zumindest für schwer kranke Patienten in der Apotheke per Rezept verfügbar machen soll, wittert die Branche den Durchbruch.

Wachsender pharmazeutischer Gebrauch

In den USA, Kanada oder Israel ist der Rummel um Cannabis als Wirtschafts- und Gesundheitsfaktor schon länger groß. Gelingt den Deutschen der Anschluss? Pierre Debs, Chef des Start-ups MedCann, ist überzeugt: "Pharmazeutische Anwendungen von Cannabis werden in Deutschland eine wachsende Industrie." Debs Firma ist im Handel mit den süßlichen Blüten an Apotheken aktiv.

Das Potenzial im Medizin-Segment liege in der Bundesrepublik bei 800.000 bis 1,5 Millionen Patienten. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte rechnet mit weit weniger registrierten Nutzern. Seit dem 10. März können Ärzte Cannabis-Präparate verschreiben – wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft sind.

Während Patienten bisher privat bezahlten, soll die Krankenkasse einspringen. "Vor zwei bis drei Jahren wollten Investoren noch nichts mit dem Thema zu tun haben", berichtet Debs. Das habe sich gewandelt. Eine staatliche Cannabis-Agentur soll nun den Markt beaufsichtigen. Erstes Gras aus deutschem Anbau könnte es ab dem Jahr 2019 geben.

Unsicherheit unter Trump nimmt zu

Zwar gelten insbesondere US-Bundesstaaten wie Colorado als Magnet für Cannabis-Unternehmer. Doch seit dem Antritt der neuen Regierung nahm die Unsicherheit zu. Donald Trumps heutiger Justizminister Jeff Sessions meinte vor zwei Jahren: Gute Menschen rauchen kein Marihuana."

Der kalifornische Kongressabgeordnete Dana Rohrabacher gibt sich auf der Tagung ironisch-selbstbewusst. "Make Cannabis Great Again" steht auf seiner roten Kappe. Rohrabacher ist Miturheber einer Regelung, die es dem Justizministerium in Washington erschwert, stark in die einzelstaatlichen Marihuana-Programme hinein zu regieren.

Cannabis-Risiken unterschätzt

Kann der von den Konferenzteilnehmern beschworene Zusammenschluss von Gesundheitswirtschaft und Politik auch in Deutschland fruchten? Peter Waßmuth von der "Berlin-Apotheke" glaubt, dass die diskutierten mindestens 800.000 Nutzer durchaus realistisch sein könnten. "Es hängt aber auch an der Kostenerstattung der Kassen."

Ein anderes Thema ist die Frage, ob eine vollständige Legalisierung kommt. Michaela Goecke von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt beispielsweise: "Die Risiken des Cannabis-Konsums werden in Teilen der Bevölkerung unterschätzt – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Pflanzen eine wesentlich höhere THC-Konzentration haben."

Apotheker Waßmuth sagt: "Der Gedanke, dass Cannabis gesellschaftsfähig ist, ist noch nicht wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen."

 

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