Mieten, kaufen oder bauen? Wohnen in München: Verzweiflung programmiert

Wohnungssuche in München: Es braucht ganz schön viel Zeit, Geld und Glück, damit es "matcht". Foto: dpa

München gilt nicht nur als die Pulsader Bayerns, sondern auch als eine der grünsten, vielfältigsten und zudem attraktivsten Städte ganz Deutschlands mit einem großen Zukunftspotenzial. Was das für den Immobilienmarkt bedeutet.

 

München - So ist zum Beispiel neben Düsseldorf und Hamburg auch München die einzige Region, für die in den nächsten Jahren eine Zu- und keine Abnahme an Einwohnern prophezeit wird. Der Grund: Insbesondere die Jobaussichten und die kulturellen Angebote fallen hier schlichtweg höher und umfangreicher als in anderen Teilen des Landes aus, sodass sich für viele Menschen gar nicht mehr die Frage stellt, ob sie nach München ziehen, sondern lediglich, in welcher Unterkunftsform sie ihre Jahre hier verbringen möchten.

Schließlich gibt es auch (noch) für München die drei großen Optionen Mieten, Kaufen und Bauen. Insbesondere letztere Optionen verlangen jedoch eine überaus präzise und gut durchdachte Finanzierung, denn der frühzeitige Ausstieg aus einem Bausparvertrag oder der notgedrungene Baustopp kann den Traum vom Eigenheim schnell in einen Albtraum verwandeln.

Innenstadt unbezahlbar – Randgebiete überteuert

Der Immobilienmarkt in München zeigt auf erschreckender Art und Weise, wie monetäre Maßnahmen aus Brüssel auf eine attraktive Gemeinde wie München wirken können: Die derzeitige Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bestraft nahezu alle Sparer und belohnt alljene, die „auf Pump“ leben. Und dies ist insbesondere auf dem Immobilienmarkt zu spüren, denn Eigentum gilt derweil als die einzig lukrative Investitionsanlage. Die Folge: Ein nahezu leer gefegter Immobilienmarkt an Neubauten beziehungsweise Bauland.

Doch auch wer in München „nur“ zur Miete wohnen möchte, steht einer Mammutaufgabe gegenüber, denn es gilt nicht nur, ein passendes Angebot zu suchen und zu finden: Bereits die „Anmeldung“ an Wohnungsführungen wird zu einer regelrechten Roulettepartie. Und sollte der Suchende dann zu einem der Glücklichen gehören, die in Gruppen von 20 bis 30 Personen im Galopp durch die Unterkunft gescheucht werden, kommen selbstverständlich noch die Preisfragen, wenn nicht sogar Preisschlachten, und Konditionsverhandlungen hinzu. Eine Mietwohnung in München zu bezahlbaren Preisen? Fehlanzeige!

Kaufen und Bauen: Lösungsansätze und Prognose

Doch wie sieht es in Sachen Kaufen und Bauen aus? Hier ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Auswahl ist stark begrenzt und die Preise sind in den letzten zwei Jahren um satte 10 Prozent gestiegen! Zudem sind Neubauten in etlichen Stadtteilen wie Schwabing oder Maxvorstadt so gut wie überhaupt nicht vertreten und innerhalb des Mittleren Rings werden alle Baumeister mit Preisen zwischen 7.000 bis 10.000 Euro pro Quadratmeter konfrontiert. Es bleibt also nur noch der Stadtrand. Und auch hier scheinen die Preise nur eine Richtung zu kennen: nach oben. So sind derweil lediglich ein paar Kaufobjekte in Feldmoching, Freiham oder Allach zu haben, doch wer bauen möchte, bedarf Geld, Zeit und Glück in Überfluss.

So brisant die Situation auch ist – eine Besserung ist derweil kaum in Sicht. So hat die Bundesregierung zwar bereits die berühmt berüchtigte Mietpreisbremse auf den Weg gebracht, doch wie die erst kürzlich veröffentlichten Statistiken offenbaren, hat sich zumindest diese Maßnahme, nicht zuletzt aufgrund der Straffreiheit im Falle von Verstößen, als unwirksam erwiesen. Die Stadt München hat deshalb nun beschlossen, satte 1 Milliarde Euro an Fördergelder für den Bau neuer Wohneinheiten zur Verfügung zu stellen – allerdings nur Stück für Stück bis zum Jahre 2026!

Diese Zahlen wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein, denn bereits jetzt werden an die 7.000 neue Mietobjekte pro Jahr benötigt. Und diese sollten entgegen dem jetzigen Trend weder eine Luxusausstattung noch eine XXL-Wohnfläche aufweisen, sondern für Single- und Zweipersonen-Haushalte geschaffen sein. Denn 80 Prozent aller Personen, die derweil nach München ziehen, machen eben keine Familien oder Topverdiener aus! Insgesamt erscheint also auch die Zukunftsaussicht für den Münchener Immobilienmarkt frustrierend und so mag die Erkenntnis des Maklers Thomas Aigner, dass „der Punkt, an dem München günstig ist, … niemals kommen“ wird, den Nagel auf den Kopf zu treffen.

 

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