"Mich macht nichts nervös" Nach Remis gegen Frankreich: Ein tiefenentspannter Jogi

Joachim Löw strahlt Ruhe aus und dies wirkt sich auf seine Mannschaft aus. Foto: dpa

Durch das 2:2 gegen Frankreich ist Löw seit 21 Spielen ungeschlagen – und mit Blick auf die WM 2018 gelassen wie nie. "Es gibt nichts, was mir nur eine schlaflose Nacht bereitet vor so einem Turnier."

Köln - Mittwochmorgen, 9 Uhr. Security-Check am Flughafen Köln/Bonn. Joachim Löw reiht sich in der Allerweltsschlange ein, grüßt Passagiere. Ein gut gelauntes "Guten Morgen!" hier, ein freundliches "Hallo!" dort.

Er schüttelt Hände, er lächelt zurück. Berlin lautet sein Flugziel, sein Zweitwohnsitz. Am Donnerstag ist der Bundestrainer bei der Bambi-Verleihung im Theater am Potsdamer Platz Ehrengast. Roter Teppich, Bussi-Bussi. Er kommt als Unbesiegter. In 15 Spielen, unter anderem gegen England (2 x), Chile (2 x), Mexiko und nun Vize-Europameister Frankreich, den Mitfavoriten auf den WM-Titel 2018.

Alles richtig gemacht

Mit dem 2:2 von Köln endete das Länderspiel-Jahr, in dem Löw neben der perfekten WM-Qualifikation zwischendrin mit einem Perspektiv-Team den Confed Cup gewann. Also: Alles richtig gemacht.

Nun ist Zeit zum Entspannen, zum Genießen. Einladungen annehmen, zu Galas und Preisverleihungen gehen, Urlaub machen. Ende November reist Löw mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nach Moskau. Am 1. Dezember wird im Kreml die Vorrunde der WM ausgelost. Dann beginnt das Fein-Tuning: Die Gruppengegner checken, sich für ein Quartier entscheiden (der DFB hat zwei Optionen auf Hotels, eins in Sotschi, eins in Moskau), letzte Testspiele für Mai/Juni ausmachen, mit Nationen, die den Spielstil der Gruppengegner simulieren sollen.

Schließlich die himmlisch schöne, aber knifflige Wahl der 23 Russland-Fahrer aus rund 30 Klasse-Spielern. Alles richtig machen – so die Aufgabe. Abläufe, die der 57-Jährige kennt. 2018 wird seine dritte WM als Cheftrainer, sein insgesamt sechstes Turnier in verantwortlicher Position.

Er liebt seinen Job, geht auf in seiner Funktion. Bundestrainer ist sein zweiter Vorname, "Der Spiegel" nannte ihn schon 2016 den "Nebenkanzler". Ob er nun als Titelverteidiger mit Blick auf die WM angespannter sei, gar nervös, lautete eine Frage kurz vor Mitternacht bei der Pressekonferenz im "Rheinenergie-Stadion".

"Mich macht nichts mehr nervös"

Nervös? Der Jogi? "Es gibt nichts, was mir auch nur eine schlaflose Nacht bereitet vor so einem Turnier", antwortete er mit einer Selbstsicherheit, als habe ihm ein Wahrsager den WM-Verlauf ins Ohr geflüstert. Löw, ein wahrlich tiefenentspannter Jogi:

"Mich macht nichts mehr nervös – nicht, wenn Unruhe aufkommt, wenn wieder von irgendwelchen Baustellen gesprochen wird, wenn wir Verletzte haben oder die Testergebnisse nicht stimmen. Mich interessiert das alles nicht. Ich habe persönlich aus den Turnieren unglaublich viel mitgenommen, viel gelernt. Diese Erfahrung hilft schon. Ich weiß, dass wir eine wahnsinnig gute Basis haben, die wir uns erarbeitet haben."

Der "Bundes-Buddha" hat gesprochen. Noch Fragen? Über den späten Ausgleich gegen Frankreich und die damit gerettete Serie von nun 21 ungeschlagenen Länderspielen freute er sich – nur bedingt. "Schön, aber das Ergebnis hatte nicht die absolute Priorität. Es ist gut, dass wir bei Rückstand nicht nervös geworden sind." Und dass die manchmal spritziger wirkenden, schnellen Franzosen der DFB-Elf in einigen Szenen ihre Grenzen aufzeigten?

Pah! Gut so, weil lehrreich. War doch nur ein November-Test. Löws Antwort im Nur-die-Ruhe-Modus: "Frankreich ist gespickt mit vielen Weltklasse-Spielern, vor allem in der Offensive. Warum soll ich mir Sorgen machen? Ich mache mir Gedanken, das ja. Und ich weiß, dass wir uns in einigen Dingen einspielen müssen. Es geht um Feinabstimmung in der Defensive, Kompaktheit und Organisation. Wir wissen ganz genau, was wir zu tun haben." Ball flach halten, Leute!

"Bitte keine Nervosität"

Bei einem Turnier, das ist doch immer dasselbe, brauche man "mentale Stärke und körperliche Robustheit", so Löw. Und Spielglück, da "kleine Dinge entscheiden". Kommt Zeit, kommt Kraft.

Der Badener lässt die Dinge auf sich zukommen, manche Probleme lösen sich von selbst. Politik der ruhigen, abwartenden Hand. Das erinnert an? Genau. Angela Merkel gefällt das.

Den Reportern wünschte der Bundes-Buddha schon mal "friedliche Weihnachten", machte eine Sprechpause und fügte an: " Und bitte: keine Nervosität in irgendeiner Form."

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