Messestadt-Anwohner in Sorge Dreist und alkoholisiert: Ärger mit Jugendgangs in Riem

„Ganz Messe hasst die Polizei“, behauptet eins der neuesten Graffiti am Platz der Menschenrechte in Riem. Die kommt jetzt auch öfter her und kontrolliert mehr. Foto: Daniel von Loeper

Dreist, respektlos und alkoholisiert sind die Jugendgruppen in der Messestadt in Riem. Polizei und Anwohnern sind besorgt.

 

München - So richtig schön ist es nicht um die Riem Arcaden herum: Vor allem Beton liegt da. Vor dem großen, grauen Einkaufszentrum gibt es auf einer riesigen Freifläche ein paar bunte, wie zu einem starren Lächeln nach oben gebogene Sitzgelegenheiten. Auf der anderen Seite gibt es den quadratischen Platz der Menschenrechte, mit kleinen Bäumen darauf, ein paar Bänken und etwas Grasflaum dazu.

Ein noch nicht ganz Jugendlicher schiebt einen Fußball herum. „Eigentlich müsste ich da jetzt was sagen“, sagt Sven K., ein blonder Mann mit einer etwas zu großen Weste mit „Security“-Aufdruck. „Aber da sind die Eltern in der Nähe, das sehe ich ja. Die müssen sich jetzt kümmern, dass er den Ball nur flach spielt.“

Sven K. gehört zu den Sicherheitskräften des Einkaufszentrums. Normalerweise bleiben die in den Riem Arcaden, doch neuerdings steht auch immer einer vorm Einkaufskasten – und drinnen mehr als bisher. „Wenn einer von uns immer hier draußen ist, sehen wir, wann die sich sammeln, und können der Polizei gegebenenfalls früh Bescheid geben.

“Die neuen Graffiti sind auch an die Wand einer Kita geschmiert

„Die“, damit meint er vor allem Jugendliche. Kiffende, saufende, pöbelnde, sagt er – das ist die Bevölkerungsgruppe, die in Riem gerade Bewohner und Polizei beschäftigt.

In der Nacht auf Dienstag haben bisher unbekannte Täter am Platz der Menschenrechte Schmierschriften an Wände und Mauern gesprüht. Das ist nichts Neues, das kleine braune Mäuerchen hinter dem klinischen Baumquadrat ist bemalt mit Botschaften, die teilweise – an Daten abzulesen – fünf Jahre alt sind. Diesmal steht da: „Schröder du Hurensohn“ oder „Ganz Messe hasst die Polizei“.

Die neuen Graffiti erstrecken sich bis zur Helsinkistraße, das Kinder- und Jugendzentrum „Quax“ ist betroffen und eine Mauer am Kindergarten im Innenhof einer Wohnanlage. Den Schaden beziffert die Polizei auf mehrere Tausend Euro. Die Aktion passt für sie in eine aktuelle Entwicklung: Am Platz und im Bereich der Arcaden stellt sie „derzeit vermehrt Ordnungsstörungen durch alkoholisierte Jugendliche fest. Dazu gehören Ruhestörungen oder Belästigungen von Passanten.“ Geschäftsinhaber, Kunden und Besucher fühlten sich verunsichert.

„Das ist in den vergangenen vier Jahren schlimmer geworden“, sagt Ashrof Zazee. Der grauhaarige Mann wohnt seit zehn Jahren in der Anlage westlich vom Platz. „Ständig sind hier Gruppen von 20, 25 jungen Menschen unterwegs, die laut sind, pöbeln. Ich habe selbst zwei- oder dreimal die Polizei gerufen.“ Vor allem die älteren Bewohner hier, sagt er, „haben Angst vor den jungen Leuten“.

Rosemarie und Helmut Hartl gehören zu diesen älteren Bewohnern. Ihre Wohnung liegt im Erdgeschoss, mit Blickachse auf die Kindergartenwand. „Unverschämt ist das“, sagt sie über die Schmierereien. „Eine Frechheit“, sagt er. Angst hätten sie vor den Jugendlichen aber nicht. „Wir fühlen uns immer noch sicher“, erklärt Rosemarie Hartl mit Nachdruck.

Sie sagen aber auch nichts, wenn sie an den Gruppen vorbeigehen und die jungen Leute sich „frech und vorlaut“ verhalten, wie sie sagen. „Wenn ich die anspreche, ist ja klar, dass ich Ärger kriege“, sagt sie.

„Kein Kino, keine Disco – wo sollen sie denn hier hin?“

Beide werben um Verständnis für die Jugendlichen. „Für junge Leute gibt es hier doch nichts“, sagt Helmut Hartl. „Kein Kino, keine Disco, das Quax ist nur für Kinder bis 14 Jahre. Wo sollen sie hier denn anders hin als auf die Straße?“

Zeyno A. sieht es ein bisschen anders. Sie kommt gerade mit Buggy und Kleinkind vom Hort, ist auf dem Heimweg zur Messestadt Ost. „Da gibt es auch solche Gruppen. Es ist noch ein bisschen ruhiger, aber das wird immer schlimmer, weil alle Ausländer hierher abgeschoben werden.“ Sie hält kurz inne, ihr Sohn ruft auf Türkisch nach ihr. „Ja, ich bin auch Ausländerin. Aber wenn man es macht wie im Hasenbergl, dass man einfach alle herbringt, gibt es eben Ärger.“

Am 12. März hat es nachmittags auf dem Vorplatz der Riem Arcaden eine Auseinandersetzung gegeben zwischen zwei Jugendgruppen. „Nur mit erheblichen Polizeieinsatzkräften konnte die Lage bereinigt werden“, heißt es im Polizeibericht. Zwölf Jugendliche wurden festgenommen, gegen sie wird ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

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Die zuständige Polizeiinspektion 25 zeigt nun sogenannte „verstärkte Präsenz“ und kontrolliert in der Gegend intensiver. „Die Jugendlichen kommen ja fast alle von hier“, sagt Sicherheitsmann Sven K., „wir kennen ja unsere Pappenheimer.“ Seit der größeren Uniform-Präsenz sei es ruhiger, sagt er. Nicht nur nach 19 Uhr, „der Stammzeit der Jugendlichen von 14 Jahren bis 20 aufwärts“.

Auch schon am Nachmittag. „Das merken sie daran, dass keine schreienden Kinder hier herumlaufen.“ In der Tat ist es sehr still. Der Junge hat seinen Fußball aufgenommen. Aber er ist auch noch jung genug fürs Quax.

 

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