Mentalcoach Steffen Kirchner Gewagte These: Deshalb sollte Bayern den Meistertitel riskieren

Die Bayern jubelten diese Saison bereits am 29. Spieltag über den Gewinn der Meisterschaft. Foto: imago/kolbert-press

Seit nunmehr sechs Jahren dominiert der FC Bayern die Bundesliga, ein Ende dieser Dominanz scheint aktuell nicht in Sicht. Ein Mentalcoach stellt jetzt eine gewagte These auf: Die Bayern müssen ihre Vormachtstellung in der Liga aufgeben, um auch international wieder Erfolge feiern zu können.

 

München - Der FC Bayern ist deutscher Meister – wieder einmal möchte man da fast schon sagen. Bereits zum sechsten Mal hintereinander konnten die Münchner die Meisterschaft für sich entscheiden. Diese Saison hatten die Bayern satte 21 Punkte Vorsprung auf den "Verfolger" aus Schalke. Die Bayern-Dominanz in der Bundesliga ist nicht zu übersehen und allgegenwärtig – und das nunmehr seit Jahren.

Anders sieht es da im internationalen Geschäft aus: Seit dem Triple-Erfolg 2013 standen die Münchner nicht mehr im Finale der Champions League, spätestens im Halbfinale war Schluss – so wie heuer gegen Real Madrid.

Also was tun, damit die Bayern auch international wieder Erfolge feiern können? Ein Mentalcoach stellt dazu eine ungewöhnlich klingende These auf: Die Münchner sollten ihre Dominanz in der Bundesliga (freiwillig) aufgeben, damit das Leistungsvermögen in der Champions League und anderen entscheidenden Spielen, wie beispielsweise einem möglichen Finale im DFB-Pokal, steigt.

Leistungssteigerung ist nur durch Belastung möglich

Der sportpsychologische Experte Steffen Kirchner begründet seine These im Interview mit "t-online.de" vor allem mit dem Stress- und Belastungslevel der Spieler. Kirchner zufolge benötigen die Spieler ein Wachstum ihrer "mentalen Muskeln wie Willenskraft, Konzentrationsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Fokussierung". Doch dieses Wachstum ist nur durch steigende Belastung möglich – eine Belastung, die die Bayern in den letzten Jahren in der Bundesliga nie wirklich hatten.

Statt eines Wachstums gibt es lediglich eine Erhaltung und somit keinen Fortschritt. "Die Spieler müssen nicht auf höchstem Stresslevel agieren. Ihre mentale Muskulatur wird in der Liga kaum beansprucht. Man sieht, wozu das führt, wenn wirklich wichtige Spiele anstehen", so Kirchner. Wirklich wichtige Spiele – wie beispielsweise die Halbfinal-Partien gegen Real Madrid oder das verlorene DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt.

Psychologe: FC Bayern sollte über Playoffs nachdenken

Die Niederlagen gegen Real Madrid hängen für Kirchner mit dem Stress- und Belastungslevel zusammen, welches eigentlich schon Wochen vor der Partie hochgefahren werden muss. Wenn es in der Liga allerdings keine wirkliche Herausforderung mehr gibt, ist das nicht möglich. Dem Mentalcoach zufolge sollten die Bayern deswegen "bereit sein, die Deutsche Meisterschaft zu riskieren, um sich international weiter zu entwickeln". Möglich wäre das durch eine Änderung des Modus, beispielsweise durch Playoff-Spiele.

Dadurch würde das Belastungslevel erhöht werden, wodurch automatische die Leistung gesteigert werden kann. Diese Leistungssteigerung würde dann dazu führen, dass die Münchner auch in den entscheidenden Partien als Sieger vom Platz gehen könnten. "Ich bin sicher: Die Bayern würden bei einem veränderten Modus in der Bundesliga eine noch stärkere Mannschaften werden", so Kirchner.

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