Menschenraub am Westfriedhof Entführer-Paar droht lange Haft

Hier versucht Beata V. am 21. März mit der Karte ihres Opfers Geld abzuheben – das sitzt in diesem Moment gefesselt im Auto. Foto: Polizei

Um ihre Schulden los zu werden, haben Beata V. (27) und Richard H. (37) Frauen entführt und misshandelt. Eine Münchnerin (51), die ihnen zum Opfer fiel, ist bis heute traumatisiert

München -
Fünfeinhalb Monate, nachdem eine Computerfachfrau (51) am Westfriedhof entführt, ausgeraubt und massiv misshandelt wurde, hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen ein Paar aus Ungarn erhoben. Die 27 Jahre alte Frau und ihr zehn Jahre älterer Lebensgefährte sitzen seit April in U-Haft. In Frankfurt am Main und in Wien sollen die beiden ähnliche Verbrechen begangen haben.
Die Tat erschütterte München: Am 21. März wunderte sich ein Autofahrer über einen BMW, der eine Tiefgaragenausfahrt an der Romanstraße gegenüber dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder verstellte. Als er in den Wagen blickte, entdeckte er eine schwer verletzte Frau. Sie war gefesselt. Die 51-Jährige hatte ein anderthalbstündiges Martyrium hinter sich.

An jenem Mittwoch im März wollte die Computerspezialistin gegen 19 Uhr zu ihrem Auto auf dem Park&Ride-Parkplatz am U-Bahnhof Westfriedhof. Ein Paar trat an sie heran, fragte, wo der nächste Bankautomat sei. Plötzlich sah die 51-Jährige in den Lauf einer Waffe. Das Paar zwang sie, in ihren BMW zu steigen, fesselte ihr die Hände auf den Rücken.

In den folgenden 90 Minuten versuchten die beiden, die Geheimzahl für die EC-Karte der Frau aus ihr heraus zu prügeln. Bei der Sparkasse in Gern und in Moosach versuchten die Entführer Geld abzuheben, doch die Frau hatte in ihrer Angst falsche Zahlen angegeben – und wurde dafür brutal misshandelt. Schließlich ließen die Entführer ihr Opfer schwer verletzt zurück und flüchteten mit dem iPhone und der Tasche ihres Opfers. „Die Frau ist bis heute traumatisiert“, sagt Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Bereits am 7. März hatte das Paar in Frankfurt, wo es Verwandte hat, eine 72-Jährige, gefesselt, geschlagen und die Herausgabe der PIN-Nummer erpresst. In Wien überfiel das Paar außerdem eine Taxifahrerin (49), drohte, ihr den Finger abzuschneiden. Anfang April schließlich wurden Beata V. und Richard H. in Frankfurt von Polizisten gefasst.

Nach AZ-Informationen hat das Paar eine sechsjährige Tochter. Der Mann war jahrelang drogenabhängig. Nach gescheiterten Geschäften in Afrika, war er hoch verschuldet. Angeblich wurde seine Familie von Gläubigern mit dem Tod bedroht. „Er ist kein Monster“, sagt sein Anwalt Hans-Jürgen Kost-Stenger.
Beata V. und Richard H. drohen bis zu 15 Jahre Haft.

 
 

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