Menschen in verheerendem Zustand Schleuser weichen auf neue Route über Garmisch-Partenkirchen aus

Hunderte Schleuser gehen den Behörden jedes Jahr ins Netz. (Symbolbild) Foto: dpa/Armin Weigel

Mehr als 400 Schleuser sind der Bundespolizei an der deutsch-österreichischen Grenze in diesem Jahr schon ins Netz gegangen. Um den Kontrollen zu entgehen, suchen sie nun neue Wege. Vor allem in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen werden derzeit gehäuft Schleuser aufgegriffen.

 

Garmisch-Partenkirchen - Sie nutzen die Not der Menschen scharmlos aus - und verdienen tausende Euro damit: Obwohl es verboten ist, bringen Schleuser immer wieder Menschen unerkannt und teils unter lebensgefährlichen Bedingungen über die Grenze nach Deutschland. Die bekannten Grenzübergänge sind mittlerweile gut bewacht - die Täter gehen nun neue Wege.

So versuchen Schleuser Migranten zunehmend auf einer neuen Ausweichroute über die Region rund um die Zugspitze nach Deutschland zu bringen. Die Bundespolizei registriere in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen immer mehr Fälle, teilten die Inspektionen Kempten und Rosenheim mit.

Migranten werden in Autos oder Transportern versteckt

Gründe seien wahrscheinlich die umfassenden Kontrollen im Zugverkehr bei der Einreise aus Österreich, die Rund-um-die-Uhr-Kontrollen auf der A93 bei Kiefersfelden und die Kontrollen auf nahen Nebenstrecken, denen die Schleuser womöglich entgehen wollten, sagte Bundespolizeisprecher Rainer Scharf. "Man kann davon ausgehen, dass es Ausweichbewegungen gibt - und eine Verlagerung der Schleuseraktivitäten in die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu erfolgt ist."

In der ersten Jahreshälfte habe es im Raum Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen nur einzelne Schleusungen gegeben. Seit August würden dort aber vermehrt Migranten entdeckt, zumeist in Autos oder Transportern von Schleusern. Von 150 geschleusten Menschen, die von August bis Oktober zwischen Chiemsee und Zugspitze aufgegriffen wurden, seien 80 allein im Bereich Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen von Schleusern über die Grenze gebracht worden.

Behörden planen neues Revier der Bundespolizei

Teils fanden die Bundespolizisten die Menschen in desolatem Zustand. Viele würden unter lebensgefährlichen Bedingungen über die Grenze gebracht - für Beträge von mehreren 1000 bis über 15.000 Euro. 
Ende Oktober entdeckten die Beamten bei Mittenwald in einem Transporter ein "regelrechtes Menschenknäuel". Zwölf Männer, eine Frau und drei Minderjährige hätten ungesichert auf dem Boden gekauert. Bei ihrer mehrtägigen Schleusung hätten sie lediglich etwas Wasser und Brot erhalten. Bei Füssen wurden neun Migranten in einer ganz ähnlichen Lage entdeckt; die Beamten fanden bei ihnen Tüten mit Erbrochenem und Urin.

In Garmisch-Partenkirchen soll unabhängig von der aktuellen Lage im nächsten Jahr ein Revier der Bundespolizei eingerichtet werden.

Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres an der 820 Kilometer langen deutsch-österreichischen Grenze gut 7800 Migranten bei der illegalen Einreise aufgegriffen. Etwa 50 bis 60 Prozent von ihnen wurden zurückgeschickt, da sie keine Asylgründe vorbrachten. Mehr als 400 Schleuser wurden in den ersten neun Monaten an der deutsch-österreichischen Grenze gefasst.

 

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