Menschen bei Maischberger Diskussion über „Hartz IV für alle – Sind wir das Sozialamt Europas?“: Die TV-Kritik

Die Fernseh-Moderatorin Sandra Maischberger Foto: dpa

In der Talk-Sendung "Menschen bei Maischberger" diskutieren Bernd Lucke und Monika Hohlmeier über Hartz IV-Leistungen für Zuwanderer

Köln - Eigentlich hätte Thilo Sarrazin am Dienstagabend bei Sandra Maischberger über sein aktuelles Buch „Der neue Tugendterror“ reden sollen. Die geplante Sendung mit dem Titel „Sind alle Menschen gleich?“ fiel aber einem kurzfristigen Themenwechsel zum Opfer.

Hartz IV für alle – Sind wir das Sozialamt Europas?“ lautete stattdessen die Frage, die ab 22.45 in der ARD hitzig diskutiert wurde. Thilo Sarrazin konnte oder wollte man also nicht zu Wort kommen lassen. Dafür durfte der Gründer der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), Bernd Lucke, seine Meinung zu den Gefahren der Freizügigkeit kundtun.

Immerhin verließ er nicht die Runde, wie am vergangenen Freitag im „Studio Friedmann“ auf N24. Die Fragen des Moderators, der ihm unterschwelligen Rassismus vorwarf, waren ihm anscheinend zu hartnäckig erschienen.

Hartnäckigkeit konnte man Sandra Maischberger, zu deren Gästen neben den Europaabgeordneten Monika Hohlmeier (CSU) und Ska Keller (B90'Grüne) die Journalisten Wolf von Lojewski und Jakob Augstein gehörten, nicht vorwerfen.

Zwar sank das Niveau der Gesprächsrunde nicht auf das der Kommentare auf Twitter, wo sich fremdenfeindliche Äußerungen häuften, allerdings war es bisweilen schwer erträglich, Bernd Luckes Ausführungen über die drohende Gefahr durch Armutseinwanderung nach Europa zuzuhören.

Die Qual spiegelte sich vor allem in Jakob Augsteins Gesicht, dessen Mimik vollständig entgleiste, als Lucke Wahlwerbung in Form eines angeknitterten Plakats in die Kamera hielt.

In Deutschland sind sich die Gerichte noch nicht einig darüber, ob arbeitslose Zuwanderer Anspruch auf Hartz IV haben. Das Signal aus der Europäischen Union dagegen lautet: Man kann EU-Bürgern Sozialleistungen nicht grundsätzlich verweigern.

Der arbeitslose Bäcker Said El Kadi, der in Spanien nicht vom Arbeitslosengeld leben konnte, kam mit seiner fünfköpfigen Familie nach Deutschland. Ihm wurde Hartz IV gewährt. In der Runde spricht er, begleitet von seinem Anwalt, über seine Erfahrung.

In die Diskussion eingebunden oder so recht von den anderen Gästen ernst genommen wird er allerdings nicht, wie es scheint.

Vielleicht ist das ja auch das Problem der Politik: Sobald es um konkrete menschliche Schicksale geht, ist es einfacher, sich hinter Paragrafen und Standardsätzen zu verstecken.

 

16 Kommentare

Kommentieren

  1. null