Memoiren Nur keine Heublumenbäder!

Hans Maier, langjähriger bayerischer Kultusminister und danach Inhaber des Romano Guardini Lehrstuhls der Universität München, ist ein gestandener Konservativer. Foto: dpa

Wer Schüler war in den vergangenen Jahrzehnten in Bayern, der hat die Folgen seines Wirkens am eigenen Leib kennen gelernt: Das bayerische Schulsystem rechnet sich Hans Maier selber zu: „Kein Tänzeln, kein Verzärteln, keine pädagogischen Heublumenbäder”, rühmt er sich: „Aufklärerische Strenge war gefragt.”

 

Aufklären und wenn nötig streng sein, das kann der Mann, der am heutigen Samstag 80 Jahre alt wird, noch immer. Zuletzt hat der Vater von sechs Töchtern, Großvater und Urgroßvater das in seinen Erinnerungen bewiesen: „Böse Jahre, gute Jahre” (C.H. Beck, 420 Seiten, 24.95 Euro) hat der gebürtige Freiburger sie genannt. Am interessantesten sind sie da, wo er sich mit den Größten seiner Zeitgenossen auseinander setzt: Franz Josef Strauß und dem Papst.

16 Jahre saß Hans Maier als Kultusminister in bayerischen Kabinetten, acht Jahre unter „Don Alfonso” Goppel, dem Landesvater, auf den Maier nichts kommen lässt. Reibungsreicher war das Verhältnis zu Strauß, der mit dem „arroganten Professor” mehr als einmal zusammenrumpelte. Genüsslich beschreibt Maier das Übergabe-Gespräch, mit dem Strauß 1976 in Südtirol die Goppel-Minister antreten ließ, die er als Ministerpräsident zu übernehmen gedachte: „Endlich, es war schon zwei Uhr nachts, war ich an der Reihe”, erinnert sich Maier: „Leider war Strauß da seiner Sinne nicht mehr mächtig. Er tobte und schrie. Ich war schockiert.” Maier spricht von einem „bösen Omen”, hielt es acht Jahre mit dem Großen Vorsitzenden aus, den er als Instinktpolitiker schätzte, der sich aber sekundenschnell „in ein zuckendes Bündel aus Wut und Aggressivität verwandeln konnte”.

Immer wieder setzte Strauß „Links-Tendenzen im Lehrkörper” auf die Tagesordnung der Kabinettsitzungen. Maier konnte nicht abhelfen. Als Strauß sich von seinen Ministern verraten sah, da weigerte sich nur Maier, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben. „Kasperltheater!”, sagte Maier. „Das nimmst du zurück!”, tobte Strauß. Aber erst, als der 1986 das Kultusministerium teilte, ging der Widerspenstige. Er tröstete sich mit Orgelspiel, dem Guardini-Lehrstuhl, mit Ehrendoktor-Titeln und seiner Arbeit im Zentralkomitee der Katholiken.

Schon in den 50er Jahren hatte Maier den aufstrebenden Theologen Joseph Ratzinger kennen gelernt, mit dem er ein „freundschaftliches, aber spannungsreiches Verhältnis” unterhalte. Mit professoralem Selbstbewusstsein verschweigt Maier nicht die „Enttäuschungen” über Kardinal und Papst. Sowohl bei der Schwangerenberatung als auch beim Verhältnis der Zentrale zu den Ortskirchen gibt Maier schlechte Zensuren. Und zeigt, wie lebendig sein Widerspruchsgeist noch ist.

 

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