"Meister des Todes" in der ARD In die Hände dieser Schlächter liefern wir das G36

Schwer bewaffnete Mitglieder der Bürgerwehr in Tixtla im mexikanischen Bundesstaat Guerrero patrouillieren zum Schutz der Bevölkerung. Ein Mitglied der CRAC (links) trägt ein G36-Sturmgewehr. Es ist eins von zwei G36, die die CRAC der lokalen Polizei gewaltsam abgenommen hat, eins von zwei G36, das im Einsatz gegen Studenten war. Bei diesem Einsatz hat die Polizei zwei Studenten erschossen. Foto: SWR

Für deutsche Waffenexporte gilt ein elementarer Grundsatz: Keine Lieferungen in Kriegs- und Krisengebiete. Dennoch nutzen korrupte mexikanische Polizisten und Drogenkartelle das Sturmgewehr G36 von Heckler und Koch bei ihren Verbrechen.

Wie die Waffen aus dem schwäbischen Oberndorf am Neckar in den mexikanischen Drogenkrieg gelangen konnten, zeigt Regisseur Daniel Harrich in seiner ARD-Dokumentation "Tödliche Exporte". Der AZ hat Harrich geschildert, in wessen Hände die Gewehre dort gelangen.

Der Fall Julio Cesar Mondrágon ist an Brutalität kaum zu übertreffen. Lesen Sie hier, wie unmenschlich kriminelle Polizisten unter dem Schutz deutscher Waffen Jagd auf Studenten machten:

In Guerrero regieren die Gesetzlosen

Iguala, eine Kleinstadt im mexikanischen Bundesstaat Guerrero. Der 26. September 2014 ist ein Tag wie viele andere für die Studenten vom Lehrerseminar Ayotzinapa.

Recht und Gesetz zählen nicht viel in diesen Regionen, wo die Gesetzlosen regieren. Wo laut Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen mehr als 70 Prozent aller Gemeinden mit den Drogenkartellen zusammenarbeiten, von der Regierung bezahlte Polizisten als gedungene Killer im Auftrag der Mafia töten und korrupte Politiker Schmiergelder von Kartellen erhalten.

An diesem 26. September sammeln sich die jungen Leute – sie sind 17, 18, höchstens 21 Jahre alt – am Busbahnhof der Provinzstadt Iguala und kapern drei Reisebusse. Etwa hundert Studenten sind zusammengekommen. Was die Studenten an diesem Septemberabend planen, ist nicht wirklich geklärt.

Polizei eröffnet Feuer auf Studenten

Als es dunkel wird, gegen 21:30 Uhr, fahren die Studenten in den drei Bussen durch die Stadt. An diesem Abend findet am Hauptplatz von Iguala, dem Sokalo, eine gut besuchte politische Veranstaltung statt. María de los Ángeles Pineda Villa, die Ehefrau des Bürgermeisters, hält eine Rede.

Angeblich wissen die linksgerichteten Lehramtsstudenten nichts von dieser Veranstaltung. Der Weg durch das Zentrum von Iguala habe zufällig an dem Veranstaltungsort vorbeigeführt, werden einige von ihnen später aussagen.

Doch die Polizei stoppt die Busse, kesselt die jungen Leute mit sechs Einsatzfahrzeugen ein. Die Polizisten eröffnen sofort das Feuer auf die Studenten. Durch die Schüsse sterben am Hauptplatz von Iguala vier unbeteiligte Passanten, darunter ein Kind und ein alter Mann.

Julio Cesar Mondrágon: Geschlagen, gefoltert, gehäutet

Gewehre im Anschlag dringen Polizisten in die Busse ein und treiben die Insassen ins Freie. Einige Studenten wehren sich mit Steinen und Stöcken, manchen gelingt es, zu Fuß zu entkommen. Andere weigern sich, die Busse zu verlassen.

Sie fallen als Erste den Polizisten in die Hände und werden verhaftet. Diese 43 Studenten werden von der Polizei entführt und sind seither spurlos verschwunden. Weitere drei Studenten werden an einer anderen Straßenkreuzung erschossen.

Julio Cesar Mondrágon war einer, dem die Flucht vor den Angreifern gelang. Freunde erinnern sich, dass Julio noch sagte, er könne nicht bleiben, denn wer sollte für seine Familie sorgen, falls ihm etwas zustoße?

Am Morgen nach dem Massaker an den Studenten von Ayotzinapa wird Julio Cesar Mondrágon tot aufgefunden. Er wurde erschlagen, sein Körper wies Spuren von Folter auf, das Gesicht war gehäutet.

Kurze Zeit später werden 100 Polizisten verhaftet. Einer von ihnen gesteht den Mord an Julio Cesar Mondrágon.

Der Mörder trug ein Heckler & Koch G36

Die Ermittlungsakten der Generalstaatsanwaltschaft beweisen: Dieser Polizist trug in der Tatnacht ein G36-Sturmgewehr von Heckler & Koch. Anhand der Seriennummer lässt sich der Weg der Waffe rekonstruieren.

Das Sturmgewehr kam mit der 7. Teillieferung aus Oberndorf nach Mexiko, die Lieferung war laut Exportgenehmigung des deutschen Wirtschaftsministeriums für andere mexikanische Bundesstaaten bestimmt.

In den von Drogenkrieg und Korruption beherrschten Bundesstaat Guerrero hätte das G36, mit dem der Mörder von Julio Cesar Mondrágon in der Tatnacht bewaffnet war, niemals gelangen dürfen. Nachweislich waren in der Tatnacht weitere 37 Polizisten mit HK-G36-Sturmgewehren bewaffnet.

Korrupte Polizisten töteten jungen Familienvater

Der Lehramtsstudent Julio Cesar Mondrágon war 18 Jahre alt, frisch verheiratet und Vater einer wenige Wochen alten Tochter. Nach seiner Ausbildung in Ayotzinapa, wo er wie die anderen für freie Kost und Logis studieren durfte, wollte der Sohn armer Kleinbauern in sein Dorf zurückkehren und in der Dorfschule Kinder wie unterrichten.

Stattdessen wurde er von korrupten Polizisten brutal getötet. Polizisten, die sich für ihre Bluttaten mit deutschen Gewehren bewaffnen, auf die sie eigentlich überhaupt keinen Zugriff haben dürften.

 

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