Meinung Wir basteln eine Krise

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AZ-Redakteurin Anja Timmermann über Merkels Rolle im Fall Griechenland

 

Am Anfang war es ein kleines Feuerchen im griechischen Haus: Athen konnte noch am Markt agieren, zu akzeptablen Bedingungen. 15 Euro-Länder waren dafür, es gemeinsam rasch auszutreten; eins war dagegen: Deutschland. Kanzlerin Merkel hatte Angst, dass der Wähler in NRW nicht einen einzigen Tropfen Löschwasser goutieren würde. „Madame Non“ setzte sich durch. Also fraßen sich die Flammen weiter, und die Spekulanten trieben beglückt die Zinsen in die Höhe. Jetzt steht es lichterloh in Brand, und Merkel laviert und bremst immer noch, während die Flammen bereits auf Nachbarhäuser übergreifen.

Ja, sie hat die ersten Tropfen Löschwasser gespart. Dafür hat sie jetzt einen Flächenbrand. Die Kosten dafür – auch für uns – werden mit jedem Tag ihres weiteren Zauderns größer. Selten war ihre Taktik des Aussitzens so fatal. Ihre Statements offenbaren ihre ratlose Getriebenheit: Ja, wir helfen, sagt sie im ersten Satz in Richtung Finanzmärkte. Nein, wir bremsen noch, sagt sie im zweiten den NRW-Wählern. Leider hört jeder die Botschaft für den anderen. In der ersten Finanzkrise war sie anders; da hat sie gehandelt. Vielleicht brauchte es dazu einen Steinbrück an ihrer Seite und keinen Westerwelle.

 

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