Meinung Überfällige Debatte

Deutsche Bundeswehr Soldaten in Afghanistan. Foto: dpa

Die Politikerrobben rhetorischlangsamin RichtungRealität: Markus Jox, AZ-Redakteur, über die Kritikan der Bundeswehr-Ausrüstung.

 

Jetzt also wissen es plötzlich alle besser: Nach demblutigen Karfreitag von Kundus, bei dem drei Bundeswehrsoldatenwährend heftiger Gefechte mit denTaliban ums Leben gekommen sind, überbieten sichMilitärexperten und Politiker schlagartig mit alarmistischenWortmeldungen über mangelhafte Ausrüstungund Ausbildung der Truppe am Hindukusch.

Auch wenn die Soldaten vor Ort noch lauter überzu wenig Personal als über zu wenig Material klagen:Die jetzige Debatte ist richtig und überfällig –aber sie kommt auch viel zu spät. Jahrelang habensich die verantwortlichen Politikerin Kanzleramt und Verteidigungsministeriumdie Afghanistan-Mission als „friedensstabilisierendenEinsatz“ schöngemalt.Auch die verbale Volte desschneidigen Ressortchefs Karl-Theodor zu Guttenberg, der beiseinem Amtsantritt „kriegsähnlicheZustände“ eingeräumt hat, zeugte von dieserAngst vor dem K-Wort. Jetzt hat der CSU-Ministerimmerhin zugestanden, man könne in Afghanistan„umgangssprachlich von Krieg“ sprechen. Und GuttenbergsStaatssekretär räumt ein, es gehe in Afghanistan„nicht nur um das Brunnenbohren“.

Während aber die Verantwortlichen in Berlin rhetorischso langsam Richtung Realität vorrobben,halten die Soldaten am Hindukusch weiter jeden Tagihren Kopf hin. Sie stehen im Krieg. Der Ratschlagvon Ex-Verteidigungsminister Rühe, einen Krisenstabaus erfahrenen Ex-Militärs einzuberufen, klingtvernünftig. Hoffentlich kann sich Guttenberg dazudurchringen. Schon viel zu viel Zeit ist vergeudetworden.

 

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