Meinung Dummes Zeug

Georg Thanscheidt, Vize-Chefredakteur der AZ, über das Buch von Thilo Sarrazin. Foto: dpa

Georg Thanscheidt, Vize-Chefredakteur der AZ, über das Buch von Thilo Sarrazin. An vielen Stellen seines Werks tun sich Abgründe auf

Wer in einem Buch so biologistisch argumentiert wie Thilo Sarrazin, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er sei Rassist. Denn wer eine Analyse der heutigen deutschen Gesellschaft unter anderem auf die Mendelschen Gesetze, die ein Mönch vor 150 Jahren aus der Kreuzung von Erbsenpflanzen gewonnen hat, aufbaut und daraus Rückschlüsse auf die Intelligenzverteilung zwischen gesellschaftlichen Gruppen ableitet, weiß entweder nicht was er tut – oder er tut es in voller Absicht. Bei Sarrazin ist letzteres anzunehmen.

Gleiches gilt für die Quellen, derer Sarrazin sich bedient: Aus Statistiken wählt er die Ausschnitte, die ihm gerade in den Kram passen. Das ist zwar eine lässliche Sünde bei Politikern – trotzdem ist es bezeichnend, welche Kronzeugen er in dem Kapitel seines Buchs anführt, das er mit „Eine Bestandsaufnahme“ untertitelt hat: Da wird wohlwollend der britische Forscher Francis Galton zitiert. Der Zeitgenosse Mendels war nicht nur der „Vater der frühen Intelligenzforschung“, wie Sarrazin schreibt, sondern auch einer der Väter der Eugenik, die nach Wegen suchte, die „eigene Rasse zu verbessern“. Eine These des Briten: Die „natürlichen Eigenschaften des Negers“ seien – auch wenn er in den USA geboren ist – die gleichen wie „seines entfernten Vetters in Afrika“.

An vielen Stellen seines Werkes tun sich ähnliche Abgründe auf. Sarrazin beklagt die genetisch bedingte Verdummung Deutschlands. Es müssen aber nicht immer die Gene sein: Dieses Buch ist ein Werk der Gegenaufklärung, es ist dummes Zeug.

 

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