Meinung Die Türken und wir

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AZ-Aktuell-Chef Frank Müller über die neue Sprach-Debatte

 

Müssen Türken in Deutschland Deutsch sprechen? „Gayet tabii“, radebrechen wir da mit unserem unterentwickelten Türkisch, „selbstverständlich“. Dass derjenige schlechte Karten hat, der die Sprache des Landes nicht kann, in dem er lebt, ist eine Binsenweisheit. Sie wird nur übertroffen von der Einsicht, dass man sich bei Kälte am besten eine Mütze aufsetzt, wenn man nicht frieren will.

So leicht könnte das Zusammenleben sein, ginge es nicht um das komplizierte deutsch-türkische Verhältnis. Noch immer werden Platitüden eingefordert, noch immer gibt es Deutsche, die dies mit nationaler Hybris tun. Und Türken, die sich mit derselben vorgestrigen Überheblichkeit dagegen stemmen. Schlimm daran ist nicht nur, dass das unser Zusammenleben belastet. Sondern auch, dass all das seine Entsprechung findet im weltpolitischen Maßstab: Darf/soll/muss die Türkei in die Europäische Union? Seit Jahrzehnten schon gibt es das Thema, seit Jahren laufen die Verhandlungen, voran kommen sie kaum.

Das liegt auch an uns. Der konservative Teil der deutschen Politik gefällt sich in der Lebenslüge einer „privilegierten Partnerschaft“. Was soll das sein außer einem Wortmonster? Die Türkei ist wirtschaftlich und politisch viel zu wichtig, um sie nicht in die EU aufzunehmen. Und wer beklagt, dass das Land nicht rundherum EU-reif sei, der hat zwar Recht, zieht aber die falschen Schlüsse. Wer die europäischen Kräfte am Bosporus stärken will, der muss dem Land eine klare Perspektive geben. Und das Zeichen, dass es erwünscht ist.

 

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