Meinung Die Google-Panik

Illustration Foto: dpa

AZ-Politikchef Frank Müller über die Hysterie beim Kampf gegen Onlinestadtpläne

 

Hauptsache, wir haben mal wieder richtig schön Angst: Nachdem die Schweinegrippe zum Flop wurde und es dem Wald ganz gut geht, muss eben Google herhalten. Der Onlineriese erdreistet sich, einen virtuellen Stadtplan des Landes ins Internet zu stellen – das geht überall auf der Welt gut, nur in einem Land nicht: Deutschland.

Schon die parteiübergreifende Einigkeit der Google-Gegner sollte skeptisch stimmen: Wenn plötzlich alle Parteien das gleiche entdecken, könnte das auch damit zu tun haben, dass man sonst nicht viel auf die Reihe bringt. Da macht sich ein anonymer Goliath gut, auf dem wenigstens für einen Sommer alles Übel der Welt abladen kann.

Gäbe es bei Google eine virtuelle Landkarte der Hysterie, dann wäre Deutschland auf ihr dunkelrot gefärbt. Dabei bleibt an sachlichem Anlass für die Aufregung bei genauem Hinsehen wenig übrig: Fotos von Gebäuden und Straßen sind legal, wie jeder Zeitungsleser weiß. Wer sein Gebäude partout löschen lassen will, kann es tun – und sollte sich vielleicht noch überlegen, ob er das ach so dramatische Interesse von Kriminellen nicht dadurch erst heraufbeschwört.

Ernst nehmen allerdings muss man Ängste auch dann, wenn ihr Anlass lächerlich scheint. Offenbar fühlen sich viele durch das Internet bedroht – weil sie zu wenig von ihm wissen und nicht gelernt haben, mit ihm umzugehen. Da warten die Online-Hausaufgaben für die Politik – und nicht beim Draufhauen auf Google.

 

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