Meinung Beginn des Abstiegs

Illustration Foto: dpa

Anja Timmermann über das drastische Sinken der Umfragewerte der Union

 

Wer in der Nacht des Wahlsieges im Herbst 2009 auf diesen Absturz gewettet hätte, hätte wohl ähnliche Quoten bekommen wie für einen 4:0-Sieg von Deutschland gegen Argentinien: Die Union kracht unter 30 Prozent, mit den mageren fünf Prozent der FDP kommt Schwarz-Gelb noch auf 34 Prozent, Rot-Grün könnte ganz ohne Linke komfortabel alleine regieren. Wer hätte das gedacht.

Der FDP ist das sendungsbewusste Triumphgeheul schon länger aus dem Gesicht gewischt. Nun hat auch die Union ihre Krise, und vor allem auch Angela Merkel. Jetzt steht die Union exakt wieder da, wo sie sie vor zehn Jahren übernommen hat: bei 29 Prozent. Sie hat sich hochgekämpft in der damals verunsicherten Partei, musste Stoiber einmal den Vortritt lassen, hat die Partei auf Linie gebracht. Als Kanzlerin der großen Koalition war sie auf dem Zenit, erschien als Meisterin der Macht. Doch was als Krönung zelebriert wurde, die Erfüllung des schwarz-gelben Traumes, war der Beginn des Abstiegs. Mit einem weniger dankbaren Partner als der ernst- und pflichtbewussten Steinmeier-Steinbrück-SPD an der Seite wurden ihre Schwächen immer offenbarer: ihre Ratlosigkeit, ihr Lavieren, ihre Neigung, starke Menschen – also mögliche Rivalen – solange wegzubeißen, bis es eben sehr einsam um sie wurde.

Schwarz-Gelb bekommt zu recht die Quittung. Und mit der Erosion der nächsten Volkspartei wird sich das alte Block-Gefüge noch weiter aufweichen.

 

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