Mein Nymphenburg Das Viertel der Flaneure

So sieht Glück auf Bayerisch aus: Im Sommer besucht Karl Königsbauer ein bis zwei Mal pro Woche den Königlichen Hirschgarten. Mit 8000 Plätzen ist er größte der Münchner Biergärten. Foto: Daniel von Loeper

Mein Viertel - AZ-Serie Folge 28: Der Realschulrektor Karl Königsbauer über den ruhigen Rhythmus des Stadtteils, seinen klangvollen Namen und zu wenig junge Leute.

 

München - Zugegeben: Es gibt Stadtviertel, in denen das Leben mehr pulsiert als in Nymphenburg. Eine echte Kneipenszene? Nicht bei uns. Aber das macht auch nichts – Neuhausen mit all seinen Lokalen und Ausgeh-Möglichkeiten ist gleich nebenan.

Bei uns geht alles ein wenig ruhiger und gemütlicher zu. Die Nymphenburger sind stolz auf ihr Viertel, auf die zeitlose Idylle von Hirschgarten und Schlosspark.

Wenn Menschen aus der ganzen Welt kommen, um das Schloss zu besuchen, beobachte ich gerne ihren Rhythmus. Sobald sie den Park betreten, scheint der Stress von ihnen abzufallen. Alle bewegen sich langsamer, flanieren, genießen. Das geht ganz automatisch. Nach dem Spaziergang auf einer der Bänke vor dem Geranienhaus in der Abendsonne sitzen – das ist ein schöner Abschluss eines Tages.

Ich habe mein ganzes Leben lang in Nymphenburg oder Neuhausen gewohnt. Nur während des Lehramts-Referendariats war ich für ein Jahr in Erlangen – aber das war ja nicht freiwillig. Der größte Teil der Königsbauer-Familie lebt hier, einschließlich meiner 85-jährigen Mutter und der meisten ihrer 14 Enkel. Ein fester Termin im Familienkalender: An Neujahr oder Heilig-Drei-König treffen sich alle zu einem Fußballspiel im Hirschgarten, auch bei Schnee.

Im Sommer bin ich ein bis zwei Mal die Woche im Biergarten. Im Hirschgarten kann man kann gut und preiswert essen. Erwähnenswert ist auch der Metzgerwirt am Kanal, ein Traditionslokal, in dem man sich zum Schafkopfen trifft.

Unser Stadtteil hat einfach einen gut klingenden Namen. Wenn mitten in Moosach Wohnungen gebaut werden, heißen die plötzlich Nymphenburg-Nord. Weil’s einfach besser klingt, und damit teurere Mieten verlangt werden können. Trotzdem sind die Nymphenburger nicht hochnäsig. Hier wohnen viele alteingesessene Bürgerfamilien. Für viele gehört der Gottesdienstbesuch noch zum Leben.

Dass im Viertel wenig junge Menschen leben, gehört zu den Dingen, die ich bedauere. Für Studenten sind die Mieten einfach zu teuer. Vor einigen Jahren war der Stadtteil ziemlich überaltert. Inzwischen wurden aber viele neue Wohnungen gebaut, nicht nur am Rangierbahnhof und hinterm Hirschgarten, sondern auch auf früheren Villengrundstücken, auf denen heute Mehrfamilienhäuser stehen. Familien mit Kindern sind hergezogen, die Schulen überfüllt, in der Trojanostraße werden Schüler in Containern unterrichtet.

Auch die Bevölkerung ist bunter geworden: Im Hirschgarten treffen sich am Wochenende viele türkische Familien zum Grillen und Spielen.

 

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