Mehr Sport Rath auf dem Wunderhengst – dank der reichen Stiefmutter

Matthias Rath auf dem weltbesten Dressurpferd Totilas Foto: dpa

Ann Kathrin Linsenhoff macht’s möglich: Das Millionenpferd Totilas geht an den EM-Dritten

 

MÜHLEN Es hat sich bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Matthias Alexander Rath folgt dem Niederländer Edward Gal als Reiter von Totilas. Am Dienstag nahm der 26-Jährige offiziell das teuerste Dressurpferd der Welt in Empfang. Zwei Tage nach dem ersten Advent wurde der Student mit der reichen Familie als neuer Reiter des Hengstes vorgestellt, der in der Szene als Wunderpferd gilt.

„Das Gefühl ist einfach überwältigend“, sagte Rath. „Ziel ist natürlich, mit diesem Pferd möglichst weit vorne zu reiten.“ Rath lachte aber nur kurz. Die meiste Zeit wirkte er eher angespannt und ernst. Er erlebte ein Blitzlichtgewitter, wie es für den Reitsport völlig unüblich ist. Neun Kamerateams und fast doppelt so viele Fotografen sorgten für einen Medienrummel in einer Reithalle in dem kleinen Örtchen Mühlen im Oldenburger Münsterland, in dessen Mittelpunkt der blonde Jüngling und der schwarze Hengst standen, der an das TV-Pferd „Black Beauty“ erinnert. Um Mittag öffnete sich der Vorhang, und der 26-Jährige ritt unter den detaillierten Anweisungen seines Vaters und Trainers Klaus-Martin Rath ein kleines Show-Training.

„Ich gehe nicht in das erste Turnier und versuche, zwei Weltrekorde aufzustellen“, sagte Rath zur sportlichen Zukunft. Aber er wolle da weitermachen, „wo Edward aufgehört hat“. Drei Weltmeister-Titel gewann der Niederländer Edward Gal vor wenigen Wochen mit dem Hengst. Im Sattel des derzeit besten Dressurpferdes der Welt kann für Rath das Ziel nur Gold bei der EM im kommenden Jahr und bei den Olympischen Spielen 2012 sein.

Paul Schockemöhle hatte das Pferd nach der WM für rund zehn Millionen Euro nach Deutschland transferiert. Für den neuen Reiter ist Schockemöhle nun sogar entgegen seiner ursprünglichen Absicht eine Besitzergemeinschaft mit der Rath-Familie um die vermögende Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff eingegangen. „Wir teilen alles – jegliche Gelder, die das Pferd einnimmt“, sagte die ehemalige Reiterin Linsenhoff. Allerdings könnte Linsenhoff noch etwas mehr verdienen, da sie die finanziellen Möglichkeiten hat, auch die Sportrechte an Totilas zu erwerben.

Am Dienstag jedoch ging es ohnehin eher um Emotionen. Nach der kurzen Vorführung musste Schockemöhle zunächst schlucken. Europas größtem Pferdehändler stockte die Stimme, als er über Totilas und dessen Reiter sprach. „Ich war überwältigt, wie diese Zwei schon nach zwanzig Minuten ein Paar waren“, sagte der sonst so abgezockte Unternehmer bei der pompösen Präsentation.

Tatsächlich war es keine große Überraschung, dass Rath der Totilas-Reiter ist. Vor drei Wochen hatte er den ersten Testritt gemacht, niederländische Dressur-Fans hatten ihn bereits auf seiner Internetseite beleidigt und beschimpft. „Inzwischen sind die positiven Einträge in der Überzahl“, berichtete Rath. Klar ist, dass der Druck unglaublich groß ist. Alles andere als erste Plätze werden mit diesem Pferd als Niederlage gewertet. Besondere Spannung verspricht der Ritt in der „Höhle des Löwen“: Totilas soll im kommenden Jahr mit Rath bei der EM starten – und die ist in Rotterdam. „Ich habe keine Angst, da hinzufahren“, sagte der Reiter: „Ich freue mich darauf.“

Und tatsächlich besitzt der 26-Jährige durch die dritten Plätze mit der deutschen Mannschaft bei EM und WM die internationale Erfahrung, die Schockemöhle als Voraussetzung für den Totilas-Reiter genannt hatte.

 

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