Mehr Sport Olympia 2018: Nimmt München die Klippe?

Charme für München: Katarina Witt vor einem Werbeplakat Foto: dpa

Im mexikanischen Acapulco werben die drei Bewerber um Olympia 2018 erstmals vor dem IOC. Die Münchner um Katarina Witt wollen mit dem Slogan „Ein Festival der Freundschaft“ punkten.

 

ACAPULCO Es ist der bislang wichtigste internationale Auftritt für Münchens Olympiabewerber. Am Donnerstagabend, nach mitteleuropäischer Zeit mitten in der Nacht, müssen sich die drei Interessenten für die Olympischen Winterspiele 2018 erstmals seit der Kür zur „Candidate City“ einem großen Kreis von Sportfunktionären präsentieren. Auf der Vollversammlung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees nehmen im mexikanischen Urlaubsort Acapulco – dort, wo sich sonst Wasserspringer von Felsen ins Meer stürzen – einige Dutzend IOC-Mitglieder teil.

Nimmt München die Klippe? Es geht für Bewerbungschefin Katarina Witt und Co. sowie die Rivalen aus Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) um mehr als Sympathiepunkte. Es ist bei derlei Offerten stets wichtig, beim IOC von Beginn an professionell zu wirken.

Die Auseinandersetzungen mit der Garmischer Olympia-Opposition blieben dem Wahlvolk nicht verborgen. Die Schwedin Gunilla Lindberg ist Chefin der IOC-Evaluierungskommission, die Anfang 2011 die Bewerberstädte besucht. „In Demokratien sind derartige Diskussionen selbstverständlich", sagt Lindberg zur AZ. „In einer freien Gesellschaft werden sie nie hundertprozentige Zustimmung haben." Für die Visite im März in München, Garmisch und Schönau kündigt sie an: „Natürlich treffen wir uns mit den Olympiagegnern."

Für München gehen in Acapulco neben Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Witt, IOC-Vizepräsident Thomas Bach, Oberbürgermeister Christian Ude und Olympia-Geschäftsführer Bernhard Schwank in die Bütt. Die Aufgaben sind 20 Minuten lang klar verteilt: Witt ist für Emotionen zuständig, Bach fürs Sportpolitische, Ude für Lokalkolorit, Schwank für sporttechnische Fragen.

Bei der Präsentation mit Video-Clips wird auch der neue Bewerberslogan vorgestellt. National wirbt München mit dem Claim „Die freundlichen Spiele“, international soll nun der Slogan „Festival of Friendship“ beeindrucken. Ein Festival der Freundschaft.

Eigentlich war schon am Dienstagabend die Generalprobe angesagt. Doch als Münchens Delegation proben wollte, wurde sie von Technikern vertröstet. Der Saal war nicht fertig. Der Test musste um 24 Stunden verschoben werden. München passte das, denn so konnte auch Ude, der gestern anreiste, teilnehmen.

Der OB hatte bei der ersten internationalen Pressekonferenz im Februar 2010 in Vancouver einen Fehler begangen, als er einen englischen Text vortrug und dabei behauptete, es habe auf dem Oktoberfest nie einen Zwischenfall gegeben. Die Verantwortung für den Wiesn-Fauxpas, das Attentat von 1980 zu unterschlagen, übernahm der Amerikaner George Hirthler.

Er fertigt nicht nur die englische Version des Bewerbungsbuchs, das München im Januar 2011 beim IOC abgeben muss, sondern schreibt alle wichtigen Reden der Bewerber. In Acapulco choreographiert er die Präsentation. Es ist Hirthler unangenehm, an Vancouver erinnert zu werden. „Das passiert uns nicht noch einmal", verspricht der Mann aus Atlanta, der an drei siegreichen Bewerbungen mitwirkte: Atlanta 1996, Peking 2008 und Vancouver 2010.

Im Nachbarhotel probte unterdessen die Konkurrenz aus Pyeongchang – und zwar ohne ihre Nationalheldin Kim Yu-Na. Die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin 2010 war fürs Charme-Duell gegen Witt vorgesehen. Diese Auseinandersetzung wird es nun erst 2011 geben – vor allem auf der entscheidenden IOC-Vollversammlung am 6. Juli 2011 in Durban. Jens Weinreich

 

0 Kommentare