Mehr Sport „Ohlstadt, das sagt den wenigsten etwas“

FIS-Präsident Gian-Franco Kasper. Foto: dpa

Wieso der Schweizer IOC-Funktionär und Präsident des Ski-Weltverbands FIS Gian-Franco Kasper glaubt, dass die aktuellen Turbulenzen Münchens Chancen auf Olympia 2018 nicht wirklich schmälern.

 

Von Florian Kinast

AZ: Herr Kasper, beim Wirbel um die hiesige Olympia-Bewerbung war zuletzt oft zu hören, dass die Unruhe keinen guten Eindruck macht beim IOC. Dann sagen Sie doch bitte, was die IOC-Funktionäre von den Turbulenzen mitbekommen haben.

GIANFRANCO KASPER: Ganz ehrlich, ich habe in keiner Schweizer Zeitung etwas von all dem erwähnt gefunden, was in München und Garmisch jetzt los war. Aber natürlich, in meiner Funktion verfolge ich diese Geschehnisse ganz genau.

Und welchen Eindruck haben Sie? Droht Münchens Kandidatur zu scheitern?

Ich sehe das nicht so dramatisch. Dass sie einen Standort von Oberammergau nach Ohlstadt verlegt haben, das sagt den wenigsten etwas. Die wissen ja gar nicht, wo das liegt.

Sie meinen, das schert den IOC-Delegierten aus Burundi und Honduras eher wenig.

Ja, das meine ich. Natürlich, die Geschichte mit Garmisch, wo sich die Bauern weigern, ihre Grundstücke abzutreten, da drängt die Zeit. Sollte es keine Einigung geben, dann wird das zu einem echten Problem. Aber diese Grundstücksprobleme gibt es doch immer bei fast jeder Bewerbung.

Nur ist davon nicht immer etwas zu hören.

Das liegt vielleicht auch daran, dass die Berichterstattung in den deutschen Medien transparenter ist als in anderen Ländern, wo das nicht thematisiert wird und auch nicht werden soll. Jedenfalls ist es für München wirklich nicht beunruhigend, zum einen haben sie bei der Bewertung sehr gute Noten bekommen, zum anderen haben die anderen Kandidaten ja auch ihre Probleme.

So? Und welche?

Die Koreaner haben Schwierigkeiten mit ihrem Gouverneur in der Provinz Gangwon, in der Pyeongchang liegt. Der steht unter Korruptionsverdacht und ist suspendiert worden. Da geht es um illegale Schmiergelder. Und die Provinzregierung war bisher ja immer ein ganz starker Motor der Bewerbung, also auch da hängt alles in der Schwebe.

Und Annecy, die Franzosen? Gelten ja nur Außenseiter.

Annecy muss noch nachbessern. Die müssen erst einmal die IOC-Auflagen erfüllen und ihr Konzept abändern. Ihr ursprünglicher Plan sah ja vor, die Wettkämpfe an zehn verschiedenen Orten auszurichten. Das ist aber nicht machbar und nicht durchsetzbar beim IOC. Da besteht noch Handlungsbedarf, es wird nicht leicht.

Gegner des Münchner Olympia-Konzepts kritisieren, dass für viele Bewerbe neue temporäre Anlagen errichtet werden, wie etwa Biathlon bei Ohlstadt, wo Ruhpolding doch bereits über perfekte Infrastruktur verfügen würde.

Also, da bin ich äußerst skeptisch. Das mag schon sein, dass in Ruhpolding schon alles da ist. Aber dann könnten sie auch fordern, Eisschnelllauf in der neuen Halle in Inzell auszurichten.

Tun sie ja auch.

Ja, und warum nicht gleich ganz Bayern? Nein, kompakte Konzepte wie in Vancouver haben sich bewährt. München und Garmisch, dazu der Eiskanal am Königssee, das ist Münchens Stärke.

Und wie wichtig ist die Stimmung im Volk für die Entscheidung des IOC?

Das macht viel aus. Man wird vom IOC aus sicher nicht an einen Ort oder in eine Region gehen, wo man Olympische Spiele nicht will.

Wie wird die Stimmung abgefragt? Laufen die IOC-Mitglieder mit Stift und Notizblock durch München und Garmisch?

Nein, das IOC beauftragt da immer eine eigene Agentur. Die Zustimmung für Olympia wird jedenfalls sehr wichtig sein.

Dann müssen Münchens Bewerber auch im eigenen Volk noch viel Überzeugungsarbeit leisten? Wie sehen Sie die Chancen Münchens?

Was herauskommt, wird man am 6. Juli 2011 sehen. Der Ruf und das Ansehen Münchens beim IOC sind jedenfalls nach wie vor sehr gut.

 

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