Mehr Sport Marias Heimatfest mit Kandahar-Stein

So freut sich eine Olympiasiegerin, wenn sie ihr Heimrennen gewinnt: Maria Riesch in Garmisch. Foto: dpa

Das Weltcup-Finale in Garmisch-Partenkirchen begann, wie die Winterspiele in Kanada geendet hatten. Mit einem Triumph von Riesch. Bloß, dass im Werdenfelser Land alles familiärer zugeht.

 

GARMISCH War ja fast alles wie neulich in Whistler. Maria Riesch gab Sieger-Interviews, warf Kusshändchen ins Publikum, umarmte ihre Eltern, um sich dann auf dem Podium ganz oben aufzustellen. Also ganz so wie bei den Olympischen Spielen.

Das Weltcup-Finale in Garmisch-Partenkirchen begann, wie die Winterspiele in Kanada geendet hatten. Mit einem Triumph von Riesch, fast eine halbe Sekunde lag sie bei der Abfahrt auf der heimischen Kandahar vor ihrer Freundin und Rivalin Lindsey Vonn. Freilich, die große Kugel für den Gesamt-Weltcup hat Riesch abgeschrieben, immer noch 225 Punkte liegt sie hinter der US-Rivalin, 300 Punkte in drei Rennen sind noch zu vergeben. „Realistisch ist das nicht mehr drin“, sagte Riesch, „ich will die Rennen hier genießen. Hier zu gewinnen, vor so vielen Freunden, das ist schon Wahnsinn. Und dann hat es hier auch noch so tolles Wetter."

Von hoch droben, knapp über der Zugspitze, strahlte die Sonne herunter, es herrschte eitel Sonnenschein. Außer bei den Österreichern natürlich, nach dem zweiten Platz von Mario Scheiber in der Männer-Abfahrt am Morgen, zwei Stunden vor den Frauen. Nach einer Saison ohne einen österreichischen Abfahrtssieg, das hatte es zuletzt vor 18 Jahren gegeben. Ein absolutes Fiasko für Team Austria, ein Winter, den der Salzburger Ex-Weltmeister Michael Walchhofer in vier Worten resümierte: „I bin sauba ozipft."

Ansonsten war alles heiter, und so war im Werdenfelser Land doch manches anders als in British Columbia. Weil es für Riesch statt einer Medaille als Trophäe den Kandahar-Stein gab, vor allem aber, weil es viel gemütlicher zuging diesmal.

Olympia, das war im Vergleich eine protzige Business Party. Garmisch dagegen ein uriges Familienfest. So waren bei keinem Weltcup sonst in diesem Winter so viele Kinder unterwegs, auch Hilde Gerg brachte ihren Nachwuchs mit, die zweieinhalbjährige Anna und den Wolfgang (14 Monate), so wie Martina Ertl Tochter Romy (2) und Sohn Luis (8 Monate). Christian Neureuther schoss Fotos fürs Familienalbum, Ehefrau Rosi Mittermaier dagegen brillierte als Fremdenführerin und sagte ortsunkundigen Touristen im Zielraum den schnellsten Weg zu ihrer Pension: „Glei vor der Loisachbrückn rechts nei.“

Aus den Lautsprechern sang die Spider Murphy Gang, das war in Vancouver auch nicht so, und Marias Mutter Monika Riesch erzählte von den Unmengen Fanpost, die in den letzten Wochen daheim in Partenkirchen eintraf, von Autogrammwünschen bis zu Heiratsanträgen. „A ganzer Waschkorb voll."

Und wieviele Briefe insgesamt? „Schwer zu sagen, aber alles mitanand so sechs Kilo", sagte sie eine Stunde nach dem Rennen, als Vater Sigi Riesch Gratulationen nur auf Zuruf entgegen nehmen konnte: „Duad ma leid, i hob koa Hand frei", schnaufte er, weil er schwer bepackt wie ein Sherpa von der Siegerehrung kam, da ihm die Tochter alles mitgegeben hatte, Kandahar-Stein, Blumenstrauß und ein Parfüm-Präsent.

Dafür gab es Handschläge und Umarmungen für Mama Riesch, selbst von Österreichern. Bussis von ÖSV-Alpinchef Hans Pum und eine Verbeugung von Peter Frauneder, dem Ski-Reporter der „Krone", der zu Monika Riesch meinte: „Wannma söiba scho nix gwinnan, dann vergunnmas wenigstens eich.“

Einem Schweizer dagegen gönnen sie es weniger: Carlo Janka, der durch seinen Abfahrtssieg wieder die Führung im Gesamt-Weltcup übernahm, 54 Punkte vor dem Pitztaler Benni Raich, der schon letztes Jahr nur Zweiter war, ganze zwei Punkte hinter Aksel Lund Svindal. Jetzt droht Raich die große Kugel wieder zu verlieren.

Da wäre er aber sicher sauber ozipft.

Florian Kinast

 

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