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Das geht ja gut los: Doppelsieg beim Weltcup-Auftakt in Sölden für Viktoria Rebensburg (Mitte) und Kathrin Hölzl (links) vor der Italienerin Manuela Moelgg. Foto: imago Foto: az

Beim Weltcup-Auftakt feiern Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl auf dem Rettenbachferner einen Doppelsieg im Riesenslalom. Sogar Maria Riesch, die Fünfte wird, jubelt mit: „Ein Traum-Ergebnis!“

 

SÖLDEN Die Blaskapelle aus Krün hatte es nicht einfach. Mit Pauken und Trompeten und in Formation waren die zwei Dutzend Musikanten einmarschiert ins Skistadion hoch oben am Rettenbachferner, auf knapp 2700 Metern Höhe. Neben ihnen auf der Tribüne: Schweizer Fans mit ihren dumpfen Kuhglocken, äußerst lärmbereite Italiener sowie zigtausend Österreicher, die bei ihrem Heimspiel natürlich etwas zum Jubeln haben wollten. Am Ende jubelten aber die Musiker aus Krün: Maria Riesch hatte sich bei ihren Fanclub-Mitgliedern untergehakt und feierte – den Doppelsieg ihrer Mannschaftskolleginnen Viktoria Rebensburg und Kathrin Hölzl.

Als sich die Doppel-Olympiasiegerin wieder von den Fans verabschiedet hatte, frohlockte sie in jedes Reporter-Mikrofon: „Ein Traum-Ergebnis!“ Beim ersten Rennen der Weltcup-Saison gleich ein Doppelsieg, drei Fahrerinnen unter den ersten fünf und die 19-jährige Germeringerin Lena Dürr (14. Platz) mit Bestzeit im zweiten Durchgang. „Das ist Wahnsinn“, meinte Siegerin Rebensburg. 

Vor fast zwölf Jahren standen mit Hilde Gerg und Martina Ertl zuletzt zwei Deutsche ganz oben, in Sölden jubelten beide im Ziel mit. Der erste deutsche Sieg in Sölden seit Martina Ertl im Jahr 2003 bedeutet auch für den neuen Frauen-Trainer Thomas Stauffer den perfekten Einstand. Der Schweizer hatte von Vorgänger Mathias Berthold ein immens erfolgreiches Damenteam geerbt und muss nun mit den Erwartungen umgehen, die in einer Saison mit Heim-WM als Krönung nicht wegzureden sind. „Ich habe vor diesem Rennen oft gehört, dass wir die Gejagten sind“, sagte Stauffer, „und wir haben bewiesen, dass wir stark genug sind, um allen davonzufahren.“ Der Doppelsieg zum Auftakt „hilft sicher und macht ein paar Sachen einfacher. Wir werden aber genauso weiter arbeiten“.

Das klingt fast wie eine Drohung an die Konkurrenz. Die hatte in Durchgang eins das Nachsehen, als Hölzl, Rebensburg und Riesch eine deutsche Meisterschaft veranstalteten und die Plätze eins bis drei belegten. Chef-Coach Wolfgang Maier wollte nicht zu früh jubeln: „Man muss es zwei Mal runterbringen“, meinte er vor dem zweiten Durchgang. Der gelang Rebensburg besser als Hölzl, Riesch rutschte auf Rang fünf ab, was sie aber nicht ärgerte: „Ich hätte nie damit gerechnet, so weit vorne zu landen. Dass ich die Dritte und Letzte im Bunde bin, macht mir gar nichts. Im Training war ich immer eine Sekunde hinter Viki und Kathi, hatte zuletzt arge Timing-Probleme. Jetzt habe ich Frieden mit Sölden geschlossen und die Feindschaft mit dem Berg begraben.“

Kathrin Hölzl werden ebenfalls ein paar Steine von der Seele gepurzelt sein. Wegen rätselhafter Muskelkrämpfe konnte sie im Sommer fast kein Krafttraining absolvieren. „Ich bin völlig kaputt und fertig“, sagte sie nach dem Rennen, fing sich aber wieder: „Besser kann es nicht laufen.“

Auch die Siegerin befreite sich von einer Last: „Ich bin froh, dass ich meinen ersten Weltcup-Sieg erreicht und bewiesen habe, dass der Olympiasieg kein Ausrutscher war“, sagte Viktoria Rebensburg, „ich war ein bisschen nervös, weil ich Startnummer 1 hatte. Aber es ist richtig cool die Weltcup-Saison zu eröffnen.“ Auch ihre Saisonvorbereitung war nicht optimal verlaufen: Beim Trainingslager in Neuseeland zog sie sich einen vierfachen Daumenbruch zu und muss beim Rennen eine Schiene tragen. Auch der Blinddarm hatte Ärger bereitet. Alles vergessen nach dem Sieg in Sölden. „Total glücklich und froh“ war die 20-Jährige aus Kreuth am Tegernsee, die einiges vorhat: „Es gibt noch so viele Dinge zu gewinnen.“

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich in drei Wochen in Levi (Finnland). Dort steht der erste Slalom auf dem Programm. Die Favoritin ist ebenfalls Deutsche und Olympiasiegerin: Maria Riesch.

Thomas Becker

 

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