Mehr Sport Bogner dreht Filme für 2018: „Wie einst Feuer und Eis“

Mit atemberaubenden Stunts auf der Skipiste begeisterte Regisseur Willy Bogner bei seinem Film-Spektakel "Feuer und Eis", das 1986 erstmals in die Kinos kam. Foto: AZ

MÜNCHEN - Der Chef der Münchner OlympiabewerbungWilly Bogner, eigentlich Regisseur, will Bevölkerung und IOC mit selbstgedrehten Werken überzeugen.

 

Der Abend im Kaisersaal der Residenz neigte sich dem Ende entgegen. Beim Schuhbeck'schen Vier-Gänge-Menü stand nur noch das Dessert an, geeister Kaiserschmarrn und ein Apfelstrudel mit einer Kugel Mango-Chili-Eis, als Horst Seehofer unverhofft noch einmal zu Höchstform auflief. „München, Garmisch und Königssee brennen", brüllte er derart pathetisch und lauthals ins Mikrofon, dass nicht nur die Wände samt ihrer schmucken Teppiche aus dem 17. Jahrhundert wackelten, sondern auch die bereits pappsatt ermatteten Festgäste des bayerischen Olympia-Empfangs wieder unsanft aus ihren Stühlen gerüttelt wurden.

Eingedenk des Großfeuers, das kürzlich einen ganzen Streckenabschnitt des Eiskanals am Königssee in Schutt und Asche gelegt hatte, klang Seehofers Satz unfreiwillig komisch, übertragen meinte er freilich die Begeisterung für die Winterspiele 2018.

Übertroffen in seinem Enthusiasmus wurde der Ministerpräsident bei seiner Abendgala natürlich nur von einem. Von Willy Bogner. Aufgeregt gestikulierte der Bewerbungs-chef der Münchner Olympia-Pläne auf der Bühne herum, schwärmte für die Spiele im Freistaat und pries mit überschlagender Stimme noch einmal die Winterspiele von Vancouver vor zwei Monaten. „Da war eine Begeisterung in ganz Kanada", sagte der 68-Jährige, „das war grandios, das werden wir auch hinkriegen." Leidenschaftlich wie selten machte Bogner Werbung für München 2018. Und so wurde am Montag klar, dass der Modedesigner, der erst vor fünf Monaten völlig überraschend Kopf der Kampagne wurde, immer mehr in seine Rolle hineinwächst. Immer deutlicher macht Bogner, dass es für ihn hier nicht um ein utopisches Hirngespinst geht, sondern um seinen Lebenstraum.

Um eine Vision, die der Filmemacher nun auch optisch umsetzt. In kleinen Kurzfilmen, mit denen er Stimmung machen will für die Olympia-Vision. Premiere des ersten Zwei-Minuten-Streifens war Montag in der Residenz, objektiv betrachtet ein eher schlichtes und noch wenig oscarreifes Werk, das unterlegt mit Schnulzmusik Alpinläufer, Biathleten und Skispringern, wenig Emotionen zeigte, und das auch gleich nach der Aufführung bereits auf erste Kritik stieß. „Was hier fehlt, sind die paralympischen Sportler", mahnte Gerd Schönfelder, der einarmige Alpinläufer, der in Vancouver mit vier Titeln seine paralympische Goldmedaillensammlung auf 16 erhöht hatte. Bogner entschuldigte sich („Sorry, da hast du ganz recht") und gelobte Besserung, in den nächsten Filmen sollen dann auch die Behindertensportler vorkommen.

„Wir sind auch erst am Anfang", sagte Bogner später noch der AZ, „das ist eine steigerungsfähige Idee, die die Begeisterung in der Bevölkerung wecken soll." Die Begeisterung beim IOC will er dann spätestens bei der Vollversammlung Anfang Juli 2011 in Durban wecken, mit dem abschließenden Bewerbungsfilm, den er dann wohl selbst drehen wird – und der dann, wie Bogner verriet, „wie einst Feuer und Eis" werden soll, sein berühmter Sportfilm von 1986, der weniger wegen seiner simplen Rahmenhandlung faszinierte als vielmehr wegen seiner brillanten Aufnahmen. „Natürlich haben wir in Durban mit unserer Präsentation nur bis zu sieben Minuten", sagte der aufgekratzte Bewerbungschef, „von der Qualität her muss das aber genauso sein."

Feuer und Eis, Feuer und Flamme. Seehofer würde sagen: Bogner brennt.

Florian Kinast

 

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