Mehr Fußball Werder im Özil-Dilemma

Akrobat am Ball: Aber wie lange zaubert Mesut Özil, die Entdeckung der WM in Südafrika, noch für Werder Bremen? Foto: sampics/Augenklick

Der Verbleib des WM-Helden in Bremen ist immer ungewisser. Die Zeit drängt. Sportchef Allofs: „Alles ist möglich!

 

BAD WOLTERSDORF Mesut Özil ist halt das Objekt der Begierde. Um Werders WM-Helden, den angeblich ja halb Europa jagt, haben sich im österreichischen Trainingslager kürzlich auch Fechterinnen aus dem Allgäu geschart. Erst kamen sie zum Testspiel von Werder Bremen gegen Rad Belgrad (2:0), dann auch noch tags darauf zum Training ins Thermenstadion von Bad Waltersdorf. Erklärter Wunsch: Fotos mit und Autogramme von Özil. Nichts leichter als das: Lächelnd posierte der Star oder setzte seine Unterschrift auf T-Shirts und Fotos. Und dass der 21-Jährige, dessen Gesichtszüge neuerdings markanter erscheinen, der mehr Gel als früher in den dunklen Haaren trägt, mit den alten und neuen Kollegen in der östlichen Steiermark ganz guter Laune ist, wurde spätestens daran deutlich, als er einen aus Jux ausgetragenen Freistoßwettbewerb mit Marko Arnautovic gewann: Brachial hatte der Ballvirtuose aus dem Stand den neuen Einheitsball mit links in den Winkel gefeuert, sodann lief Özil triumphierend zur Mittellinie – und der Neuzugang schaute dumm aus der Wäsche. Oft genügt Özil eben ein einziger Moment, um den Unterschied auszumachen.

Doch wie lange ist der mit Anna-Maria Lagerblom, der Schwester von Popstar Sarah Connor liierte Deutsch-Türke, wirklich noch bei Werder? Auf die Frage gibt er vorgestanzte Antworten. „Ich habe noch einen Vertrag. Ich bin hier und nur das zählt“, sagt er. Geht es nach dem gewieften Berater Reza Fazeli, der seit anderthalb Jahren alle Offerten zur vorzeitigen Verlängerung des 2011 auslaufenden Kontraktes hat platzen lassen, ist Özil sehr bald weg. Weil Real Madrid und FC Barcelona nicht wirklich einen Mittelfeldspieler suchen, führt die Spur nach England – Fazeli soll seit längerem abklopfen, welcher Deal in die Premier League gewinnbringend erscheint. Sein Klient, das gibt der Deutsch-Iraner zu erkennen, wird die Wohlfühloase an der Weser entgegen vielen Ratschlägen verlassen – die Frage ist nur, ob schon diesen Sommer gegen Ablöse oder 2011 dann ablösefrei. Letztes Szenario, so betonte Vorstandschef Allofs vor geraumer Zeit, „wäre eine Katastrophe“, weshalb der Werder-Boss jetzt klipp und klar den Verkauf in seine Überlegungen einschließt: „Viele Vereine haben Interesse bekundet, aber wir haben noch kein konkretes Angebot vorliegen. Wenn dieser Fall eintritt, werden wir uns damit beschäftigen. Dann ist alles möglich.“ Bei rund 15 Millionen Euro Ablöse könnte Werder wohl rasch schwach werden. Denn die Zeit drängt: An diesem Freitag wird ausgelost, gegen wen Werder in der Champions-League-Qualifikation anzutreten hat – möglich sind die Gegner Dynamo Kiew, AJ Auxerre, Sampdoria Genua, SC Braga oder Young Boys Bern. Gespielt wird bereits am 17./18. August. Sollte Özil da mitwirken, wäre er für andere Arbeitgeber in der Königsklasse gesperrt.

Überhaupt bereitet der neue Liebling der Nation den Werder-Verantwortlichen Sorgen. Er ist längst noch nicht fit. „Ich habe drei Wochen nichts mit dem Ball gemacht. Ich habe richtig wieder Lust aufs Kicken, aber auch noch ein bisschen schwere Beine“, sagt Özil. „Ich hoffe, dass unsere Nationalspieler die Fragezeichen schnell wegschießen“, sagt Trainer Thomas Schaaf. An diesem Freitag fliegt der grün-weiße Tross direkt von Graz nach London, um ein Testspiel beim FC Fulham zu bestreiten. Vielleicht spielt Özil mit. Das heißt dann aber nicht, dass er diese Saison auch ein Bremer bleibt.

Vielleicht spielt er auf der Insel nur für den nächsten Arbeitgeber vor.

Frank Hellmann

 

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