Mehr Fußball „Wehret den Anfängen!“

Schockiert von den Szenen in Berlin: Bayern-Präsident Uli Hoeneß Foto: Wolfgang Zink

Bayern-Präsident Uli Hoeneß will Ultras in den Klub einbinden, um Szenen wie in Berlin zu verhindern.

 

AZ: Herr Hoeneß, Sie haben vor dem Heimspiel am Samstag gegen Freiburg über zwei Stunden lang unter Ausschluss der Medien mit ausgewählten Bayern-Fans diskutiert. Sind Sie zufrieden mit der erstmals durchgeführten Veranstaltung?

ULI HOENESS: Ja, sehr. Wir haben mit diesem Präsidentengespräch ein Forum geschaffen, um den Dialog mit den Fans zu suchen und einfach miteinander zu reden. Es gehört heutzutage für einen Verein einfach mehr dazu, als nur ein Ticket an einen Fan zu verkaufen und zu hoffen: Es wird schon gutgehen.

Die Probleme mit Ultras häufen sich in dieser Saison. Zuletzt gab es Verletzte in Bochum, als Nürnberger Fans bengalische Feuer entzündeten, am Samstag ist nun die Situation im Berliner Olympiastadion eskaliert.

Als ich die Bilder sah, war ich schockiert. So etwas darf in einem deutschen Stadion nicht passieren. Oder nehmen Sie den Fall Markus Babbel.

Der VfB Stuttgart musste den Trainer auch aufgrund von gewaltbereiten Fans im Dezember 2009 entlassen.

Ja, das war doch schlimm! Ich erinnere mich an die Bilder von damals. Markus und Sportdirektor Horst Heldt stand ja der Horror im Gesicht. Aber ich will mich hier nicht als Schlaumeier aufspielen und mit dem Finger auf andere zeigen. Ich denke nur: Was wir machen, ist der richtige Weg, wir sind viel weiter als andere Klubs. Es geht eben darum, frühzeitig auf gewisse Dinge hinzuweisen. Wehret den Anfängen! Man muss die Ultra-Szene beobachten, mit einbinden in den Verein.

Doch auch der FC Bayern hatte in den letzten Jahren Schwerverletzte nach Ultra-Randalen zu beklagen. Erinnert sei an die Ausschreitungen an der Autobahnraststätte Würzburg-Nord im Mai 2007, in deren Folge eine Frau durch einen Flaschenwurf ein Auge verlor.

Wir haben da Fortschritte erzielt und setzen weiter auf einen Selbstreinigungsprozess in den Kurven. Wir sind regelmäßig in Kontakt, schließen diese Fanklubs nicht aus. Im Gegenteil: Es gibt von unserer Seite Annäherungsversuche. Sie sind Mithörer bei Veranstaltungen dieser Art. Außerdem gelten Stadionverbote ja nicht für ewig, sondern meist für drei bis fünf Jahre. Unser Motto ist: Wer miteinander redet, kann keinen Krieg gegeneinander führen. Kein Fan soll seinen Verein hassen.

Worum genau ging es am Samstag beim Präsidentengespräch?

Um Themen wie Ticketvergabe, Zufahrtswege, den Kindergarten in der Arena, das geplante Fanmuseum etc. – es wollten ja 250 Leute kommen, davon wurden 16 ausgewählt. Es war eine sehr rege Diskussion mit guten Ideen, es sind auch viele Hinweise gekommen, die uns weiterhelfen. Ich glaube, es war sehr wichtig, dass unsere Fans das Gefühl haben, dass man sich ihrer Sorgen annimmt.

Es hat den Eindruck, dass Sie dieses Thema seit Beginn Ihrer Präsidenten-Ära ganz besonders intensiv angehen.

Ich sehe das als meine wichtigste Aufgabe an. Nach meiner Rede auf der Jahreshauptversammlung, als ich dieses Thema angesprochen hatte, wollte ich nicht als zahnloser Tiger dastehen. Das Gute ist, dass nicht nur diese 16 zufrieden nach Hause gegangen sind, sondern Zehntausende, weil die Vertreter das in ihre Fanklubs weitertragen.

Gibt es eine Fortsetzung?

Ja, und zwar noch einen Termin vor Saisonende und im Herbst zwei weitere Male.

Interview: Patrick Strasser

 

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