Mehr Fußball Thomas Müller: Maradona kennt ihn nicht

Thomas Müller Foto: firo/Augenklick

MÜNCHEN - Das Bayern-Talent (20) liefert gegen Argentinien ein ordentliches Länderspiel-Debüt ab: „Ich glaube, dass ich keinen schlechten Eindruck gemacht habe.“ Aber später sorgt er unfreiwillig für einen Eklat

 

Ein Nationaltrikot mit einem Müller drin, das hat es lange nicht gegeben beim DFB. Aber weil es eine schöne Erinnerung ist an die Zeiten von „kleines, dickes Müller“ (dem Bomber Gerd) – und der neue, „langes, schlankes Müller“ ein Bayer ist, wurde er, dieser Thomas Müller, auch beinahe am lautesten begrüßt vom Arena-Publikum in Fröttmaning.

Das Video von der Pressekonferenz:

Zuspruch gegen die Nervosität bei seiner Länderspiel-Premiere gegen Argentinien. Dieser Müller (20) war der 16. Müller in der Geschichte der deutscher Nationalelf (inklusive DDR). Von Beginn an wurde der Debütant einbezogen ins deutsche Offensivspiel. Anstoß, langer Ball – gleich auf Müller. Er mühte sich fortan, spielte engagiert und brav mit, verhedderte sich aber oft in Zweikämpfen. Ein solider Auftritt war es, ein ordentliches Debüt bis zu seiner Auswechslung nach 67 Minuten für den zweiten Debütanten, für Toni Kroos, der Bayern-Leihgabe an Leverkusen; ein Freifahrtsschein für die WM war der Auftritt jedoch nicht. Doch Löw steht auf Bayerns Offensivallrounder, seine Teilnahme am Endturnier in Südafrika dürfte sicher sein.

Müller: „Ein tolles Gefühl, das erste Mal dabei zu sein – und das in München. Schade, dass wir verloren haben. Ich glaube, dass ich keinen schlechten Eindruck gemacht habe.“ Dann wurde er zur Pressekonferenz geschickt – und löste dort einen Eklat aus.

Argentiniens Trainer Diego Maradona saß bereits auf dem Podium, und als sich Müller neben ihn setzte, regte sich die Gaucho-Legende furchtbar auf, verließ sogar die Bühne. Erst als auch Müller gegangen war, kehrte Maradona zurück, um die Pressekonferenz fortzusetzen. Dem Dolmetscher war das alles erkennbar peinlich. Als Maradona wieder sprach, wurde dies so übersetzt: „Normal ist es üblich, dass hier Trainer sitzen und nicht Spieler. Ich habe ihn nicht gekannt.“ Kann ja noch kommen. Müllers Bekanntheitsgrad dürfte ja noch länger steigen.

Vor dem Spiel hatte es außerdem Irritationen um Aussagen von Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegeben, der in der AZ gesagt hatte, ein Urlaub nach der ersten, strapaziösen Profi-Saison wäre womöglich angebrachter für Müller. Gegenüber dem „sid“ sagte Rummenigge dann: „Wir wären doch blöd, wenn wir einem jungen Spieler den Traum von der WM nicht gönnen würden. Wenn Müller zur WM fährt, wäre das eine riesengroße Auszeichnung für unsere Nachwuchsarbeit und den großartigen Aufbau des Talents durch Louis van Gaal.“

Natürlich, so Rummenigge, habe Müller fast alle Spiele in dieser Saison in allen drei Wettbewerben mitgemacht und wäre deshalb am Ende der Saison vielleicht etwas müde. Er wünsche ihm aber, dass er den Traum von der WM erleben dürfe.

„Ich denke jetzt nicht, ich muss jetzt unbedingt zur WM, sonst bin ich todtraurig“, sagte Müller der „Welt“. „Wichtig ist für mich, dass ich nicht nur ein gutes Jahr habe, sondern 15 gute Jahre. Also eine gute Karriere, deswegen ist es nicht mein Hauptziel, die WM 2010 mitzuspielen.“

Die Bayern-Bosse hatten immer ihre schützende Hand über Müller gehalten. Nun sagt Müller selbst: „Jetzt habe ich mich etabliert und versuche, weiter Leistung zu bringen. Jetzt muss mich Uli Hoeneß nicht mehr beschützen. Jetzt hat jeder gesehen, ich kann dieses Niveau auch über Monate halten.“

Patrick Strasser

 

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