Mehr Fußball Babbel: "Lell ist ein angenehmer Kerl"

Wieder Wirbel um Christian Lell Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Markus Babbel, neuer Chefcoach in Berlin, erklärt, warum Hertha der FC Bayern der Zweiten Liga ist . Und er spricht über Neuzugang Christian Lell, der aus München in die Hauptstadt kam.

 

AZ: Grüß Gott, Herr Babbel, am Freitag starten Sie mit Ihrem neuen Verein Hertha BSC gegen Oberhausen in die 2. Liga. Sind Sie denn schon richtig angekommen in Berlin?

MARKUS BABBEL: Ich habe mich gut eingefunden. Die Mannschaft weiß, was ich will und zieht gut mit. Wir haben alle ein großes Ziel vor Augen: den Aufstieg.

War es für Sie als Gilchinger eine große Umstellung, in die Hauptstadt zu gehen?

Nein, gar nicht. Ich gehe ja nicht wegen der Stadt dahin, sondern wegen des Vereins. Hier habe ich perfekte Bedingungen. Von der Stadt habe ich noch nichts gesehen. Ich war noch nicht einmal unterwegs, war nur rund um die Uhr mit Hertha beschäftigt. Aber ich bin auch nicht hier, um zu wissen, wo in Berlin die beste Bar ist. Ich war bisher nur auf dem Trainingsplatz oder im Hotel. Das ist jetzt ein Jahr lang mein Zuhause.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Das ist okay, das haben wir so besprochen. Meine Familie lebt in Stuttgart, aber wir werden dann wieder nach München gehen, weil wir uns da etwas zugelegt haben. Meine Tochter kommt in die Schule.

Lassen Sie uns über Ihren Spieler Christian Lell sprechen. Er hat schwere Vorwürfe gegen Michael Ballack erhoben, privater Art, es geht um seine Frau. Sie haben Lell trotzdem zum Co-Kapitän gemacht.

Zu seinem Privatleben sage ich nichts, ich kann ihn nur sportlich beurteilen. Und da verhält er sich tadellos, sportlich und absolut professionell.

Lell wird als „Skandal-Profi“ bezeichnet. Ist er das?

Nein. Wer sich mit Christian Lell wirklich auseinander setzt, wird gleich merken, dass er absolut erfolgsorientiert und ein wahnsinnig angenehmer Kerl ist. Ich habe mich über ihn erkundigt: Er hat die Mentalität für unsere Mission Aufstieg.

Bei einer Umfrage unter allen Trainern der 2. Liga zählen fast alle die Hertha zu den Aufstiegskandidaten.

Das wollten wir auch. Wir haben das Ziel „sofortiger Wiederaufstieg" ausgegeben.

Die Hertha ist der FC Bayern der 2. Liga?

Das kann man so sehen. (lacht). Okay, wir sind die Gejagten und alle sind heiß auf uns, das hat schon etwas vom FC Bayern. Und das reizt mich an der Mission. Qualitativ sind wir die beste Mannschaft.

In Stuttgart wurden Sie 2008 nach der Entlassung von Armin Veh vom Co zum Chef befördert, in Berlin sind Sie gleich der Chef. Ein Vorteil?

Schon, denn in Stuttgart habe ich mit vielen Spielern ja noch zusammengespielt. Das war dann nicht ganz einfach, weil wir auch privat unterwegs waren. Jetzt in Berlin bin ich der Chef, da ist es einfacher, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Außerdem habe ich Distanz zur Mannschaft.

Müssen die Spieler Sie siezen?

Ja, sie siezen mich, und ich sage „du“ zu den Spielern.

Sind Sie ein harter Hund oder der freundliche Herr Babbel?

Ich bin immer freundlich. Ich bin schließlich gut erzogen.

Sie haben nach Ihrer Entlassung in Stuttgart den Trainerschein zu Ende gemacht und schnell wieder einen Job bekommen. Ihr früherer Bayern-Kollege Lothar Matthäus wartet noch immer auf sein erstes Engagement in der Bundesliga. Woran liegt das?

Das wüsste ich auch gern. Es ist schon komisch, weil er ein außergewöhnlicher Fußballer war – der beste, mit dem ich je zusammengespielt habe. Er hat viel Erfahrung und ich wünsche ihm, dass er hier mal einen Job findet.

Interview: Reinhard Franke

 

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