Medien Nockherberg: Deshalb strich der BR den KZ-Vergleich

Michael Lerchenberg 2010 als Barnabas Foto: dpa

MÜNCHEN - Der Bayerische Rundfunk (BR) hat die Kürzung der Nockherberg-Sendung verteidigt. „Es ist eine Entscheidung der Redaktion und hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun“, sagte der imJanuar 2011 scheidende Intendant Thomas Gruber.

 

„In dem Fall ist der Begriff der Zensur völlig deplatziert“, so Gruber. Der Kabarettist und langjährigeStoiber-Imitator Michael Lerchenberg hatte in seiner Rede beimtraditionellen Starkbieranstich in München mit einem KZ-Vergleich füreinen Eklat gesorgt. In der Wiederholung der Sendung fehlte dieumstrittene Passage, in der Lerchenberg Außenminister GuidoWesterwelle (FDP) mit einem KZ-Organisator verglich.

In dem Redemanuskript, das jeder Nockherberg-Kabarettist dem BRvorlegen muss, seien diese Anspielung sowie satirische Bemerkungenüber den gewaltsamen Tod Dominik Brunners am Münchner S-Bahnhof Sollnnicht enthalten gewesen. „Solche Vorkommnisse sollten sichsatirischer Betrachtung entziehen“, sagte Programmdirektor GerhardFuchs, der zuvor – ebenso wie BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb – vomGremium in seinem Amt bestätigt worden war.

Die Sendung nachträglich zu bearbeiten sei eine redaktionelleEntscheidung gewesen – Fuchs stehe hinter diesem Entschluss.Allerdings solle sich die Paulaner-Brauerei, die die traditionsreicheVeranstaltung organisiert, sich in Zukunft besser aussuchen, mit wemsie zusammen arbeite. „Die Brauerei muss sich schon die Fragestellen, mit wem sie sich einlässt“, sagte Fuchs. Früher sei es aufdem Nockherberg „sehr viel entspannter und humoriger“ gewesen.

„Täuschung der Zuschauer“

Die Landtags-Fraktionen von Grünen und SPD hatten die Kürzung derBR-Sendung scharf kritisiert. Auch von „Zensur“ war die Rede, weilbei der Wiederholung nicht deutlich wurde, dass es sich um einenZusammenschnitt handelte. Der Bayerische Journalisten-Verband hattedie Kürzung eine „Täuschung der Zuschauer“ genannt. Der Vorsitzendedes Rundfunkrates, Bernd Lenze, sagte dagegen: „Es gibt einenUnterschied zwischen Zensur und kommunikativer Panne“.

Heide Langguth vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte,dass man durch die Schnitte vor allem eins nicht gesehen habe:Niemand im Saal – auch keiner der anwesenden, hochrangigen Politiker- habe sich an den umstrittenen Äußerungen Lerchenbergs gestoßen. „Dawar deutlich, dass es niemanden gab, der aufgestanden ist oder auchnur eine Miene verzogen hat“, sagte sie. (dpa)

 

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