Medien Ein bisserl daneben

Traudl (Gisela Schneeberger, li.) zitiert aus dem „Rosenkavalier“, der sie in eine Beziehungskrise stürzt. Tochter Franzi (Jule Ronstedt) findet’s einfach albern. Foto: BR

Gisela Schneeberger (61) und Jule Ronstedt (38) spielen in der BR-Serie „Franzi“ Mutter und Tochter. Sie erzählen, warum jüngere Liebhaber problematisch sein können und wie sie Bairisch gelernt haben

 

"Franzi“ ist wieder da – mit sieben neuen Folgen im Gepäck. Ab heute wiederholt der BR die erste Staffel seiner Erfolgsserie rund um die Mittdreißigerin Franzi (Jule Ronstedt) und ihre Erdinger Clique in Doppelfolgen. Ab dem 1. April steht dann die neue Staffel auf dem Programm. Franzi kehrt mit Werner (Sebastian Bezzel) aus Venedig zurück und zieht bei ihm ein. Dass es sich um eine klassische Wohngemeinschaft handelt, glaubt ihnen allerdings keiner. Und Franzis Mutter Traudl (Gislea Schneeberger) ist unglücklich. Ihr jüngerer Freund Hakan hat sie in die Oper „Rosenkavalier“ eingeladen. Hier wird allerdings ein altersmäßig scheinbar unpassendes Verhältnis beendet – und das versteht sie als Fingerzeig von Hakan. Ausgerechnet bei Tochter Franzi sucht sie Rat – bewaffnet mit Bier und Pommes.

AZ: Frau Ronstedt, Frau Schneeberger, was für eine Mutter-Tochter-Beziehung haben Franzi und Traudl?

GISELA SCHNEEBERGER: Eine ganz andere als ich zu meiner Mutter hatte. Meine Mutter war treusorgend und liebevoll. Zwischen Franzi und Traudl dagegen gibt’s manchmal ein bisserl Konkurrenz. Die Traudl ist kein Muttertier, sondern betrachtet die Tochter eher als Freundin.

JULE RONSTEDT: Ja, sie respektieren und mögen sich zwar, wahnsinnig nah sind sie sich aber nicht. Franzi findet ihre Mutter ein bisschen daneben und albern – auch wegen der Beziehung zu dem jungen Bademeister Hakan. Franzi will auf keinen Fall so werden wie ihre Mutter und grenzt sich deshalb ein bisschen ab.

Wie verstehen Sie beide sich denn hinter der Kamera?

SCHNEEBERGER: Ich habe schon fast ein mütterliches Gefühl für Jule. Ich mag sie wirklich sehr gerne.

RONSTEDT: Gisela ist natürlich die Wucht! Während der Berlinale haben wir uns zufällig in Berlin getroffen und sind Mittagessen gegangen. Ich durfte am Familientisch mit Giselas echtem Sohn sitzen. Wir haben ein innigeres Verhältnis als Traudl und Franzi.

Frau Schneeberger, bedauern Sie es in solchen Momenten, keine Tochter zu haben?

SCHNEEBERGER: Seitdem mein Sohn so eine wunderbare Freundin hat, bedauere ich es nicht mehr. Denn die ist wie eine Tochter für mich. Ich fühle mich überhaupt sehr wohl in Gesellschaft junger Leute. Es klingt banal, aber man bleibt dabei tatsächlich jünger.

In der Serie hat Traudl einen jüngeren Liebhaber...

SCHNEEBERGER: ...und sie ist sehr misstrauisch, eben weil er jünger ist. Ständig denkt sie: Der muss mich doch bescheißen. Dabei ist Hakan ganz treu. Ich muss hier unserem Autor Peter Bradatsch ein Kompliment machen. Es ist selten, dass ein Mann so gut über Frauen schreiben kann. Beziehungen von älteren Frauen zu jüngeren Männern scheitern ja oft am Misstrauen, das aus einer Unsicherheit heraus entsteht. Ältere Männer sind sich dagegen selbst mit Schmerbauch und Busen meist ihrer jungen Freundinnen sehr sicher.

RONSTEDT: Ja, etwas würde ich mir allerdings noch wünschen: Wir sind in der Serie alle Mitte 30, da wäre doch die Fortpflanzung ein großes Thema. Meine Freundinnen, die noch keine Kinder haben, reden über nichts anderes.

Kein Problem, der BR hat doch schließlich bereits grünes Licht für eine dritte „Franzi“-Staffel gegeben.

RONSTEDT: Stimmt, Ende Mai beginnen bereits die Dreharbeiten. Die Bücher müssten jetzt also bald fertig sein.

Wie wichtig ist der Dialekt? Würde die Serie auch auf Hochdeutsch funktionieren?

SCHNEEBERGER: Nein, das Bairisch ist sehr wichtig.

RONSTEDT: Ja, viele der Figuren kommen etwas derber und einfacher daher. Das funktioniert im Bairischen, das auch eine ganz eigene Komik hat, besonders gut.

Sind Sie beide mit dem Bairischen aufgewachsen?

SCHNEEBERGER: Ich habe es in der Volksschule in Freimann gelernt. Zuhause haben wir hochdeutsch gesprochen.

RONSTEDT: Bei mir war es genau so, nur dass es die Grundschule in Herrsching war. Gelernt habe ich Bairisch aber auch von den Polt/Schneeberger-Platten.

SCHNEEBERGER: Wirklich?

RONSTEDT: Ja, ich habe mit meiner Freundin eure Sketche nachgesprochen und aufgenommen. Irgendwann haben wir auch neue erfunden.

SCHNEEBERGER: Wie süß.

Und in der Schule haben Sie Bairisch gesprochen, um von den anderen Kindern anerkannt zu werden?

SCHNEEBERGER: Ja, ich bin auf dem Schulweg sogar geschlagen worden, weil ich hochdeutsch geredet habe. Ich galt deshalb als arrogant. Also habe ich von einem Tag auf den anderen Bairisch gelernt.

Angelika Kahl

BR, donnerstags, 21.45 Uhr

 

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