McCartney neues Album Neues Album der Beatles-Legende: Wer kennt Paul?

Paul McCartney im Studio - natürlich mit seinem berühmten Höfner-Bass. Foto: Mary McCartney

Erinnerung, Freude am Ausprobieren und kompositorische Fähigkeit - so klingt "New", das neue Album von Paul McCartney.

München - Es gibt auf dieser Erde nicht viele Paul McCartneys. Nicht viele, die wissen, wie das war an der Mündung des Mersey. Allein in Liverpool aber gibt es Tausende, die sich genau zu erinnern glauben. An damals, als sich aus den Trümmern des Nachkriegsenglands Jungs schälten, die zur größten Band der Welt wurden. „Early Days“ ist Pauls wahrer Blick zurück auf Vaseline im Haar, schwarze Kleidung und, ohne es zu singen, John. Die akustische Gitarre reicht.

„New“ heißt, abgesehen davon, McCartneys neues Album, das nichts mit der Nostalgie des Vorgängers „Kisses on the Bottom“ zu tun hat. Paul Epworth, Ethan Johns, Mark Ronson und George Martins Sohn Giles Martin – vier Produzenten haben mit ihm gearbeitet. Ein Zeichen für den Versuch, Ideenmangel durch Studiospielerei auszugleichen?

Hier funktioniert es als Impulsgeber für ein unter den Solo-Werken McCartneys herausragendes Album. Allein Martin war gerade geboren, als die Beatles sich trennten. Bei „Appreciate“ und „I Can Bet“ wird die Stimme mit dezenten Filtereffekten um den teils programmierten Beat geformt – es bleibt doch Paul. Zum Ausgleich ist „On My Way To Work“ ein klassischer McCartney. Mit Pendlerbus und einer Magazinschönheit ist dieser Text so konkret, wie einst, als Paul Songs schrieb, zu denen Menschen heute noch Besichtigungstouren machen.

Mit „Alligator“ kehrt er bei Ronson den verspielten Komponisten heraus. Und der mit ihm produzierter Titelsong trägt in der Kombination von Chembalo, Bläsern, Gewandtheit und Eingängigkeit die Fab Four in sich. Mit Epworth gräbt er bei „Queenie Eye“ das Mellotron aus, dieses im Klang unkopierbar mysteriöse Tonbandtasteninstrument.

„Turned Out“, Bonus Track auf der Deluxe Edition, ist, mit Johns produziert, im wässrigen Fließen der Bottleneck-Gitarre eine rührende Erinnerung an den Sound, den George in sich hatte. Die erweiterte Ausgabe lohnt. „Get Me Out Of Here“ ist britbluesig ironische Abrechnung eines Stars mit seinem Ruhm, wie sie auch die frühen Stones hätten aufnehmen können. Eine Liebesballade am Piano als Hidden Track. Solange er es selbst noch weiß, muss der Welt keiner erzählen, wer Paul ist.

Paul McCartney: „New“ (Concorde / Universal)

 

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