Maximilianstraße Wie ein Betrüger ein Luxus-Handy für 5000 € ergaunerte

Thomas Weissmüller vor der Vertu-Boutique in der Maximilianstraße, rechts das gestohlene Handy. Foto: Nina Job

Beim ersten Mal hatte der Betrüger Erfolg: Er luchste einer Verkäuferin bei Vertu in der Maximilianstraße ein Luxus-Handy für 5000 Euro ab. Doch dann wurde der Gauner größenwahnsinnig - und tappte in die Falle. 

 

München - Es gibt Handys und Smartphones. Und es gibt handgefertigte Luxus-Mobiltelefone der britischen Manufaktur Vertu. Die günstigsten Modelle kosten knapp 5000 Euro, das Mittelklasse-Modell liegt bei 100 000 Euro. Die Frage nach dem teuersten Modell beantwortet Thomas Weissmüller nicht, er lächelt nur.

Der 47-Jährige ist „Store Manager“ von Vertu in der Maximilianstraße. Die Boutique war die erste, die in Deutschland eröffnet wurde. Hier gibt es Mobiltelefone aus Saphir und Titan, mit Gold und Diamanten, mit Alligatorenleder und handgebürsteten Schräubchen und Lautsprechern. Mit dem Kauf erwirbt man auch sogenannte Dienste. So lassen sich zum Beispiel per Telefon über einen „Concierge“-Service Geschenke, Termine und Tickets organisieren. Dank des Telefons gibt’s Einladungen zu Events oder angeblich auch schon mal einen Platz bei der Oscar-Verleihung.

Jetzt wurde die Edelhandy-Boutique von Betrügern heimgesucht. Ein Coup ist ihnen gelungen. Einen zweiten konnte Thomas Weissmüller mit Hilfe der Polizei vereiteln. Am Samstag vor einer Woche betrat ein Mann das Geschäft, der sich für ein Mobiltelefon des Typs Aster Lagoon interessierte. Es hat ein Titangehäuse und eine Hasselblad-Kamera. Die Klingeltöne wurden extra für Vertu komponiert und vom Londoner Symphonieorchester eingespielt. Das Gerät kostet 4900 Euro.

Der Italiener, der sich als ein Signore „Guazzo“ ausgab, wählte dazu noch eine türkisfarbene Kalbslederhülle für 325 Euro. Als es ans Bezahlen ging, erzählte der Signore, dass er seine Kreditkarte nicht dabei habe, die Daten aber in seinem Handy gespeichert seien. Vor den Augen der Verkäuferin schickte er ihr diese Daten per Whatsapp-Nachricht und zeigte ihr seinen vermeintlichen Personalausweis. Das ältere Modell war – wie früher in Italien üblich – aus Pappe. Die Verkäuferin übernahm die Daten von der Karte, die Buchung funktionierte, und Herr „Guazzo“ verabschiedete sich mit dem Luxushandy.

„Mit den Daten hätte er auch in unserem Online-Shop einkaufen können“, sagt Thomas Weissmüller. Er macht seiner Mitarbeiterin keine Vorwürfe. Dass es sich bei dem Mann um einen Betrüger handelte, wurde ihm erst Tage später klar. Am Dienstag meldete sich der Italiener erneut bei der Verkäuferin – per Whatsapp. Er schrieb ihr, dass er noch fünf Handys kaufen wolle. Kaufpreis: 37 880 Euro. Dazu übermittelte er wieder Daten einer Kreditkarte. Die Mobil- telefone sollten am Nachmittag von einem „Salvatore Borelli“ abgeholt werden. Doch dieses Mal wurdedie Verkäuferin misstrauisch. Sie erzählte Thomas Weissmüller davon, er schaltete die Polizei ein.

Als um 14 Uhr ein Mann das Luxusgeschäft betrat, der sich als Salvatore Borelli vorstellte, warteten die Beamten schon auf ihn. Der Neapolitaner wurde festgenommen. Auf dem Altstadtrevier täuschte der 29-Jährige noch einen Ohnmachtsanfall vor, doch das nutzte ihm auch nichts. Ärzte durchschauten das Manöver, wenig später erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehl.

Die Münchner Kripo hat inzwischen ermittelt, dass der Ausweis von „Guazzo“ gefälscht und die Kreditkartendaten offenbar ausgespäht oder kopiert worden waren. Genau das ist Thomas Weissmüller privat auch schon passiert. „In einem Restaurant wurde meine Karte kopiert. Wenig später war mein Konto geplündert. Jemand hatte mit einer Kopie meiner Kreditkarte für 4000 Euro bei Ferragamo in New York eingekauft.“

Wem die Karte gehört, die nun mit 5225 Euro für das türkisfarbene Aster Lagoon belastet wurde, ist noch nicht ermittelt. Die Kripo vermutet, dass sie in Italien gestohlen wurde. Am Tag nach der Festnahme des Betrüger saß Thomas Weissmüller abends vor dem Fernseher. Da erfuhr er von einer groß angelegten Razzia in Italien gegen Betrüger, die mit geklonten Kreditkarten Geschäfte machten. 22 Personen wurden festgenommen. Unter ihnen: Giampietro Manenti, der Präsident des insolventen FC Parma. Ob es einen Zusammenhang gibt?

 

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